Am vergangenen Wochenende testeten Rennfahrer in Ambri ihre Boliden. Mit dabei auch der amtierende Schweizer Slalom-Meister Alessandro Grispino, der vormalige Titelgewinner Philip Egli und Herausforderer Lionel Ryter. Stellt sich die Frage: Wer hat das Zeug zum Titelgewinn 2026?
Es war bitterkalt während der von der Equipe Bernoise, dem grössten Motorsportklub der Schweiz, organisierten Testtage auf dem Flugplatz Ambri. Das Rumrennen im Fahrerlager zwecks Stimmenfangs wärmte jedoch. Grund zum Rumrennen gab es in Ambri genug, schliesslich war die Spitze der Schweizer Slalom-Meisterschaft 2025 fast lückenlos vor Ort. Die Anwärter gaben sich alles andere als verdeckt auf die Frage, ob es dieses Jahr zum Meistertitel reiche.
Titelverteidiger Alessandro Grispino winkte auf die Frage gleich ab. «Nein, ich werde meinen Titel nicht verteidigen. Ich besuche dieses Jahr die Höhere Fachschule, die Ausbildung hat Priorität», meinte der 25-jährige Schwyzer, der vergangene Saison mit einem Renault Clio triumphiert hatte. Er hatte mit seinem Papa Claudio Grispino in Ambri ein paar Autos im Einsatz, «die werden primär gefahren, nicht getestet», meinte der Junior schmunzelnd. Für Abwechslung will er auch in der Slalom-SM sorgen. «Vielleicht fahre ich alle Slaloms, aber wenn ich das tue, dann einmal mit diesem Auto, dann mit einem anderen.»
Fest steht, dass Grispino alle Rennen zur Schweizer Juniormeisterschaft fahren will. Das sind die Slaloms in Frauenfeld (19. April), Ambri (2./3. Mai) und Bure (17. Mai) sowie die Bergrennen Hemberg (7. Juni), La Roche (14. Juni), Anzère (26. Juli) und Oberhallau (30. August). Titelverteidiger bei den Junioren, aber vom Alter her nicht mehr startberechtigt, ist Lionel Ryter. Der 26-jährige Walliser mit seinem Formel-Renault – mit Kosenamen «Eva» – hat nur ein Problem: «Ich habe wohl zu wenig Reifen.» Den vorhandenen Gummi werde er sicher für die Slaloms einsetzen. Vier der letzten fünf SM-Läufe des vergangenen Jahres gewann Ryter. «Zu Saisonbeginn machte der Motor zu viele Probleme», erinnerte er sich. Bei den Testtagen in Ambri am letzten Märzwochenende blieb Ryter sorgenfrei. «Ich bin gut vorbereitet, vor den Testtagen in Ambri fuhr ich zweimal auf der Rundstrecke.»
Mit Blick auf die bevorstehende Slalom-Meisterschaft rechnet Ryter mit einer Hürde: Philip Egli. Der 41-jährige Glarner holte mit seinem Formel-3-Dallara seit Herbst 2013 sagenhafte 57 Tagessiege bei Läufen zur Schweizer Slalom-Meisterschaft. Diese Tagessiege bekamen erst 2024 wegen einer Änderung des sportlichen Reglements mehr Gewicht, womit Egli im selben Jahr auch erstmals der längst verdiente Titelgewinn möglich war. Vergangenes Jahr blieb seine Titelverteidigung aber aus, weil Jungspund Ryter plötzlich den Slalomkönig Egli zu bezwingen begann. Das Resultat dieses Formel-Zweikampfs: Egli und Ryter nahmen sich gegenseitig Punkte weg, womit Grispino als Sieger der vergleichsweise kleinen Kategorie A/ISA/R2 bis 2000 Kubikzentimeter Hubraum den Titel holte.
Egli fährt dieses Jahr aber ausser Konkurrenz. «Ich werde neben ein paar Bergrennen nur vier der sieben Slaloms zur Schweizer Meisterschaft fahren. Ich bin nur in Frauenfeld, beim Doppellauf in Bière und in Bure am Start.» Nur zum Plausch fahre er aber nicht mit, betonte der Glarner. «Wenn ich fahre, will ich gewinnen.» Beim Auftakt zur Slalom-SM 2026 am 19. April in Frauenfeld steht er sehr hoch im Kurs, gewann er doch die letzten zehn Slaloms im Thurgau in Serie. Ryter war vergangenes Jahr sehr nahe am Dominator von Frauenfeld dran, bloss 0,62 Sekunden fehlten ihm auf Tagessieger Egli. «Wenn ich ihn dieses Jahr nicht schlage, ist das vermeintlich bereits ein Sieg zu wenig für die Titeljagd», vermutete Ryter bei den Testtagen in Ambri.
Punkte verloren hat in den vergangenen Jahren auch immer wieder Stephan Burri. Der 46-jährige Exilberner, 2023 mit seinem VW Scirocco Bergpokalsieger und Vizemeister der Slalom-SM, hatte aber noch nie so viel Pech wie im vergangenen Jahr. Der Höhepunkt, wenn man so sagen will, war der Unfall beim Bergrennen in Les Rangiers. Tempi passati, in Ambri stand sein Auto öfter aufgebockt und unaufgeregt da. «Er läuft gut», meinte Burri, der über den Winter «ein halbes Auto» wieder aufgebaut habe. «Ich teste hier in Ambri vor allem Pneus.» Eine Unklarheit bleibe aber, gibt Burri auf die Frage nach seinen Ambitionen in diesem Jahr zu. «Ich werde sicher ein paar PS weniger zur Verfügung haben, weil ich den Scirocco dieses Jahr mit Synfuel-Treibstoff fahren werde.»
Mit Blick auf den Schlussstand der Schweizer Slalom-Meisterschaft 2025 gibt es noch andere Fahrer, die durchaus für einen Exploit «a là Grispino» fähig sind. Yves Hängärtner, Vizechampion 2025, ist es nicht. Er hat seinen GP3-Dallara gegen einen Toyota GT86 getauscht und fährt vor allem LOC-Rennen. Aber da wären ja auch noch Samuel Weibel, Dritter der Slalom-SM 2025 (sechs Klassensiege) oder Christian Bartlome (5. Endrang 2025, vier Klassensiege), nur um ein paar Namen zu nennen. Die Frage bleibt also vorerst unbeantwortet: Wer hat das Zeug zum Titelgewinn 2026?
Text: Werner J. Haller
Weitere Fotos gibt es auf den Facebook-Seiten von Haller Tschei und Hartmann Peter
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