Spannende, mitunter überraschende Titelentscheidungen haben das sechste Rennwochenende des Porsche Sports Cup Suisse geprägt. Der Titel im GT3 Cup ging an den Österreicher Felix Neuhofer. Den letzten Rennsieg sicherte sich Gregor Burkard.
Die Titelentscheidung in der Klasse 1, reserviert für den 510 PS starken 911 GT3 Cup ohne Renn-ABS, entpuppte sich in Misano zu einem wahren Krimi. Schon die Ausgangslage war brisant: Felix Neuhofer ging mit einem Punkt Vorsprung auf Jack Sherwood in das letzte Rennwochenende. Während sich der in Deutschland lebende Österreicher für beide Läufe die Pole-Position und damit jeweils drei Zusatzpunkte gesichert hatte, machte Sherwood im ersten Durchgang ernst und übernahm in der zwölften von 17 Runden die Führung – um den Sieg nachträglich wieder zu verlieren: Der Brite hatte die Streckenbegrenzungen zu oft missachtet und dafür 15 Strafsekunden kassiert. Dies warf ihn auf Rang 2 vor Gregor Burkard zurück, der sich mit frischen Reifen vom Ende des Starterfelds nach vorne gekämpft hatte.
Damit lag Neuhofer vor dem finalen Lauf acht Punkte vorn, doch er erlebte einen Start zum Vergessen: Noch in der ersten Runde kam es zu einem Kontakt mit Sherwood. Der Brite war mit neuen Michelin von Platz 5 gestartet. Neuhofer musste das vordere rechte Rad wechseln lassen und fiel ans Ende des Teilnehmerfelds zurück. Weil er die Kollision verursacht hatte, musste Sherwood in Runde 10 eine Boxendurchfahrt-Strafe antreten. Der 20-Jährige kehrte als Neunter vor seinem Titelrivalen zurück auf die Strecke, im Ziel teilten sie sich die Plätze 8 und 9. Damit stand Neuhofer als neuer Champion des GT3 Cup fest. Der Laufsieg ging an den Meisterschaftsdritten Burkard vor Peter Hegglin, Christian Caramuscia und Ilario Introna. In der Teamwertung siegte Sportec Racing.
In der Gruppe GT4 Clubsport hat David Dias seine Tabellenführung mit dem Porsche 718 Cayman GT4 RS Clubsport gegen Kevin Lattion verteidigt. Bei den 911 GT3 R der aktuellen Generation 992 heisst der Champion Patrick Dinkeldein. Der Deutsche krönte seinen Titelgewinn auf dem 4,226 Kilometer langen Kurs nahe Rimini durch einen Gesamtsieg in der Gruppe Open GT. Mit zwei ersten Plätzen in der Klasse 21 für den 911 GT3 Cup mit Traktionskontrolle und Renn-ABS hat sich Levin Gelf in letzter Sekunde zum Champion gekürt. Im Feld der klassischen Rennwagen durfte sich Stefan Roitmayer über zwei Laufsiege mit dem 911 Cup der Generation 993 freuen, den Titel sicherte sich Sebastian Glaser. Mit den Cup-Fahrzeugen der Generation 964 teilten sich Philippe Menotti und Enzo Calderari die Rennerfolge, als Champion dieser Klasse liess sich Florian Schmidhuber trotz eines Ausfalls feiern.
Nach der Pflicht folgte beim Saisonfinale in Misano traditionell die Kür: das zweistündige Nachtrennen, in dem sich mehrere Fahrer ein Cockpit teilen dürfen und in dem oftmals gestandene Profis als Verstärkung antreten. Es zählt zu keiner Wertung. Bei den Porsche 911 GT3 R konnten sich Jörg Dreisow/Manuel Lauck gegen Roderick Christie/Matteo Malucelli und Stephan Heim/Stephan Joos durchsetzen. Bei den traktionskontrollierten 911 GT3 Cup-Rennwagen mit ABS hiessen die Sieger Kjell Lejonkrans/Emil Persson. Sie kamen vor Harald Huber und dem früheren Porsche-Junior Klaus Bachler sowie Loic und Frank Villiger ins Ziel. Bei den 911 GT3 Cup ohne ABS gewannen Gregor Burkard/Marcel Fässler gegen Peter Hegglin/Christopher Zöchling. Wolfgang Triller entschied als Solofahrer die Klasse 40 für den 911 GT3 Cup der Generation 991 für sich. Als bester 718 Cayman GT4 RS Clubsport wurde der Mittelmotor-Porsche von Pascal Delafontaine/Bruno Widmer/Richard Feller gewertet.
Für viele ist es der Saisonhöhepunkt. Für Tabellenführer Nicolas Lathion und Beifahrerin Morgane Apothéloz könnte es die Erfüllung eines Traums werden. Bei der Rallye du Valais, dem Finale der Schweizer Rallye-Meisterschaft, geht es ums Ganze.
Der ehemalige McLaren-Teamchef Ron Dennis (79) hat einst gesagt: «To finish first, you first have to finish!», was soviel bedeutet wie: Um als Erster ins Ziel zu kommen, muss man erst einmal ins Ziel kommen. Treffender könnte man es im Vorfeld der Rallye International du Valais nicht formulieren. Tabellenführer Nicolas Lathion mit Co-Pilotin Morgane Apothéloz muss seine bevorstehende Heimrallye vom 29.-31. Oktober zwar nicht gewinnen, aber um Meister, also Erster zu werden, muss er ins Ziel kommen. Und zwar mindestens als Neunter (in der Schweizer Wertung).
Wenn man Lathions Ergebnisse aus den vergangenen Jahren herbeizieht, sollte diese Aufgabe lösbar sein. 2023 wurde der Skoda-Pilot aus Charrat Vierter, 2024 Zweiter und im Vorjahr Fünfter bei der RIV. Doch genau darin liegt die Krux. Skoda-Pilot Lathion sagt selber: «Volles Risiko müssen wir nicht nehmen, aber zu vorsichtig dürfen wir auch nicht sein!» Erster Verfolger des 36-Jährigen, der in der Rallye-SM noch nie gewonnen hat, ist Pascal Perroud mit seiner Beifahrerin Charlène Greppin. Der Waadtländer, Markenkollege von Lathion, hat 22 Punkte Rückstand auf die Spitze. Schon 25 Punkte zurück liegt Mike Coppens. Der zweimalige Schweizer Rallye-Meister hat von den bisherigen drei Läufen nur einen bestritten, die Rallye du Chablais. Diese aber zusammen mit seinem Co-Piloten Christophe Roux gewonnen. Coppens zählt auch bei der diesjährigen Rallye du Valais zu den Favoriten, wenngleich ihm natürlich die Praxis 2026 etwas fehlt.
Gleiches gilt aber auch für die Startnummer 3, Jonathan Michellod/Stéphane Fellay. Auch dieses Duo hat in diesem Jahr erst eine Rallye bestritten: die Rallye Monte Carlo im Januar. Mehr Praxis haben Michaël Burri (auf Toyota Yaris GR) und Thibault Maret (Auf Citroën C3). Burri hat in diesem Jahr schon an vier Rallyes teilgenommen. Beim Schweizer Meisterschafts-Auftakt im Jura wurde er Vierter. Maret hat als einziger (neben Lathion) an allen drei bisherigen Schweizer Rallye-Läufen teilgenommen. Sein Rückstand auf den Führenden beträgt bereits 28 Punkte. Dabei fällt vor allem der Nuller bei der ärgerliche Rallye du Chablais ins Gewicht. «Hätten wir dort anständig Punkte geholt, sähe die Ausgangslage heute viel besser aus.» Nicht mehr in die Meisterschaftsentscheidung eingreifen werden Jonathan Hirschi und Florian Gonon. Beide sind bei der diesjährigen RIV nicht am Start.
Spannend dürfte es auch noch im Schweizer Rallye-Pokal (für hubraumschwächere Fahrzeuge) werden. Vor dem Finale im Wallis führen Michael Esteves/Ismaël Berdayes auf ihrem Opel Corsa. Acht Punkte dahinter lauern Alain Rey/Estelle Coppex auf Renault Clio. Nur einen Punkt dahinter folgt ein Trio mit 22 Punkten: Laurent Bérard/Audrey Zwahlen auf Honda Civic Type R und Laurent Rossi/Florent Clavien auf Peugeot 206 XS. Der dritte Verfolger wird nicht mehr in die Meisterschaft eingreifen: Yohann Surroca startet bei der RIV mit einem Hyundai i20N. Gut möglich, dass er auf den ganz vorderen Plätzen anzutreffen ist. Gespannt sein darf man auch auf das Abschneiden von Yoann Loeffler. Der Vorjahres-Gesamtzweite geht mit seinem Skoda Fabia Rally2 direkt nach den Top 5 ins Rennen. Und dann ist da auch noch Joël Grand. Der Walliser, der zwischen Rallye und Bergrennen pendelt, gibt bei der RIV mit einem Renault Clio S1600 sein Comeback.
«In der historischen Klasse», der VHC, wird es beim Finale im Wallis voraussichtlich auf ein Duell der beiden schnellsten BMW-M3-Duos hinauslaufen. Vor der RIV führen Edy und Florence Bérard 18 Punkte vor Julien Camandona/Melanie Crettaz. Mit Erwin Keller (im Mitsubishi Galant VR4) und Jérémie Toedtli (auf einem Ford Sierra Cosworth 4x4) sind aber auch zwei weitere heisse Sieganwärter am Start. In der VHRS, der Kategorie, in der es um regelmässiges Fahren geht, sind acht Autos am Start. in der modernen Klasse deren drei.
Die Servicezone und das Hauptquartier der Rallye befinden sich in Martigny. Die Rallye beginnt am Donnerstag, 29. Oktober, mit den administrativen Abnahmen, den technischen Kontrollen, einem Shakedown zwischen Martigny und Chariatte und einer «Super Spécial» am Donnerstagabend. Der Start in den zweiten Tag bestehend aus sieben Prüfungen erfolgt am Freitag, 30. Oktober. Am Samstag werden weitere sechs Prüfungen absolviert. Insgesamt werden bei der «Valais» 183,28 Kilometer zurückgelegt. Damit gilt die Rallye als eine Veranstaltung vom Typ 1.
Mehr Infos zur Rallye du Valais finden sie unter diesem Link.
Termine Schweizer Rallye-Meisterschaft 2026
27./28. März, Critérium Jurassien
28.-30. Mai, Rallye du Chablais
10.-11. Juli, ABGESAGT, Rallye de Bourgogne-Côte Chalonnaise (FRA)
18./19. September, Rally del Ticino
29.-31. Oktober, Rallye International du Valais
Das letzte Rennwochenende der FIA F4 CEZ entwickelte sich zum Schaulaufen von Jenzer Motorsport. Das Team aus Lyss gewann am Hungaroring nicht nur den Fahrer-, sondern auch den Team-Titel.
Am Wochenende gab es für die Schweizer Motorsport-Gemeinde gleich zwei Titel zu feiern. Über den einen, den Triumph von Kevin Gilardoni im Lamborghini Super Trofeo, haben wir schon am Samstag berichtet. Am Sonntag durfte auch Jenzer Motorsport jubeln. Das Formel-4-Team aus Lyss/BE hat zum vierten Mal in Serie die FIA F4 CEZ gewonnen. Der diesjährige Meister heisst Elia Weiss und kommt aus Deutschland. Er ist der Sohn der ehemaligen deutschen Rennfahrerin Claudia Hürtgen (55). Und er war 2026 mit zehn Laufsiegen der mit Abstand erfolgreichste Fahrer in der diesjährigen CEZ-Meisterschaft. Weiss hatte den Titel am Hungaroring schon im ersten Rennen sichergestellt. Der 17-jährige Münchner hatte danach aber noch nicht genug: Er siegte auch im dritten Vorlauf und belegte im Finale Rang 2 hinter dem Tschechen Teo Borenstein, der ebenfalls für Jenzer fährt.
Sein bisher bestes Wochenende erwischte Georgiy Zasov. Der einzige Schweizer in Diensten von Jenzer Motorsport (in der F4 CEZ) gewann am Hungaroring sein zweites Formel-4-Rennen. Damit gewann Jenzer nicht nur alle vier Rennen, man sicherte sich auch in allen Läufen die Plätze 2 und 3. Für Zasov endete seine erste komplette F4-Saison auf dem siebten Schlussrang. Die Teamwertung hatte Jenzer schon vor dem Finale in Budapest in der Tasche. Auch dieser Titel ging zum vierten Mal hintereinander nach Lyss – herzliche Gratulation!
«Dieses Wochenende haben wir wirklich dominiert», meint Teamchef Andreas Jenzer. «Der Dank gebührt dem ganzen Team. Die vielen Rennen und dazwischen die Tests fordern von unserer Mannschaft sehr viel. Deshalb ist es dann auch schön, wenn man für die viele Arbeit belohnt wird. Aus Schweizer Sicht hat es mich besonders gefreut, dass Georgiy in den letzten beiden Rennen so erfolgreich war. Er hat an den letzten beiden Rennwochenenden einen wirklichen guten Job gemacht.»
Sein erstes Formel-4-Rennen absolvierte auch Paul Andriotis. Der 15-Jährige aus Morges fuhr bei seiner Premiere für das Team Real Racing aus Rumänien und belegte die Plätze 17 und 15. Im Finale schied der Andriotis, der dieses Jahr auch am Young Drivers Projekt von Auto Sport Schweiz teilnimmt, aus.
Mit Kevin Gilardoni hat ein weiterer Schweizer einen GT3-Titel geholt. Der siebenmalige Rallye-Ticino-Sieger krönte sich heute Samstag zum neuen Meister der Lamborghini Super Trofeo Europa.
Mit einem Punkt Vorsprung ist Kevin Gilardoni in Monza zum alles entscheidenden Rennwochenende in der Lamborghini Super Trofeo Europa angetreten. Und schon nach dem ersten Lauf gestern Freitag sah es für den 34-Jährigen aus dem Misox vielversprechend aus. Mit einem zweiten Platz bauten Gilardoni und sein italienischer Teamkollege Simone Iaquinta die Tabellenführung aus.
Im zweiten Rennen war dann schon vor dem Start alles klar. Gerade als alles für das letzte Rennen des Jahres bereit war, fielen erste Regentropfen auf den Asphalt von Monza, was die Rennleitung dazu veranlasste, das Rennen als Regenrennen zu deklarieren. Während der Einführungsrunde verlor Patrik Fraboni beim Herausfahren aus der Ascari-Kurve die Kontrolle über seinen Lamborghini, prallte gegen die Leitplanken und beschädigte die rechte Vorderpartie schwer. Ein bitteres Ende für den Fahrer des Oregon Teams, der zusammen mit Silas Rytter noch um den Pro-Titel kämpfte. Der vorzeitige Ausfall des Duos ebnete somit den Weg für Iaquinta und Gilardoni, die den Titel rechnerisch bereits vor dem Erlöschen der Ampeln feiern konnten.
Im Rennen wurde das Duo dann auf Platz 16 abgewinkt. Eine Zehn-Sekunden-Strafe wegen eines Verstosses beim Boxenstopp beeinträchtigte zwar die Chance, die Saison mit einem erneuten Top-Ergebnis abzuschliessen, hatte jedoch keinen Einfluss auf den Gewinn der Meisterschaft. Insgesamt gewann Gilardoni drei Rennen zum diesjährigen Lamborghini Super Trofeo Europa.
Nächste Woche (vom 29.-31. Oktober) findet im Wallis die 66. Ausgabe der Rallye International du Valais statt. Das Programm dazu kann ab sofort unter diesem Link angerufen werden.
Weitere Informationen zur RIV (inkl. Startliste) werden nächste Woche auf dieser Seite veröffentlicht. So viel sei jetzt schon verraten: Der Titel in der Schweizer Rallye-Meisterschaft 2026 ist noch nicht vergeben. Die besten Chancen, ihn zu holen, haben Nicolas Lathion/Morgane Apothéloz. Aber auf 186,76 Kilometer kann vieles passieren…
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