Das letzte Juli-Wochenende war aus Schweizer Sicht etwas «mau». Ganz anders präsentierten sich die international tätigen Schweizer Rennfahrer am ersten August-Wochenende, was möglicherweise am Nationalfeiertag gelegen hatte…
Noch fehlen 2,5 Punkte. Doch Ricardo Feller ist auf dem besten Weg in der Sprintwertung der GT World Challenge die Gesamtführung zu übernehmen. Beim dritten von fünf Rennwochenenden in Magny-Course (FRA) sicherte sich der gebürtige Aargauer seinen zweiten Saisonsieg. Für den 26-jährigen Porsche-Piloten war es insgesamt der dritte Podestplatz in dieser Meisterschaft. Zusammen mit seinem dänischen Teamkollegen Bastian Buus liegt er nun auf Platz 2. Ausschlaggebend für den dritten Saisonsieg war ein perfekt getimter und ausgeführter Boxenstopp von Fellers Team Lionspeed GP. Den Schweizer Erfolg rundete Patric Niederhauser am Sonntag mit Rang 3 ab. Für den Berner war es nach einem bisher schwierigen Saisonverlauf das beste Ergebnis im Sprint Cup.
Auch am Nürburgring (GER) stand ein Schweizer in einem Porsche 911 GT3 auf dem Podest. Zwar verpasste Alex Fontana das Gesamtpodium als Vierter beim zur NLS zählenden Ruhr-Pokal knapp, in der ProAm-Wertung reichte es aber locker zu Platz 2. Auch Christoph Lenz durfte auf einem Audi R8 LMS GT3 einen Klassensieg feiern. Genauso wie Manuel Metzger auf einem Porsche 911 GT3 Cup und Ranko Mijatovic auf einem BMW M2 von Hofor Racing.
Lange hat er warten müssen. Im siebten Anlauf hat es endlich geklappt. Louis Delétraz hat sich als Cadillac-Werksfahrer seinen ersten Podestplatz in der hart umkämpften IMSA geholt. Der Genfer wurde beim 6h-Rennen in Elkhart Lake mit seinem US-amerikanischen Teamkollegen Jordan Taylor Dritter. Dank dem Sieg des Schwesterautos mit Filipe Albuquerque und Ricky Taylor war das Rennen in Wisconsin das erfolgreichste für Cadillac in den vergangenen zwei Jahren. Delétraz liegt bei noch zwei ausstehenden Rennen auf Rang 9 im Gesamtklassement. «Vielen Dank an Cadillac, vielen Dank an Wayne Taylor Racing», meinte Delétraz nach dem Rennen. «Natürlich ist es ein bisschen enttäuschend. Wir hatten ein so gutes und starkes Rennen. Ich entschuldige mich für meinen Fehler während der Gelbphase. Ich war der Erste, der an der Unfallstelle ankam, und habe einfach ein Ausweichmanöver gemacht, um nicht mit dem Safety Car zusammenzustossen, das mitten auf der Strecke stand. Ich nehme an, dass ich dafür die Strafe bekam.»
Auch in der GTD-Klasse gab es aus Schweizer Sicht Grund zum Jubeln. Der amtierende Meister Philip Ellis sicherte sich seinen dritten Sieg in dieser Saison. Weil das im Gesamtklassement führende Duo nur auf Platz 11 landete, hat der Zuger seine Aussichten auf eine erfolgreiche Titelverteidigung massiv gesteigert.
In der FIA Formel 4 CEZ gingen sämtliche Siege beim Rennen in Most (CZE) an das Schweizer Team Jenzer Motorsport. Im ersten Vorlauf siegte der Tscheche Max Karhan. Die restlichen Siege sowie auch der Triumph im Finale gingen an den Deutschen Elia Weiss. Bester Pilot aus dem Team Maffi Racing war der Däne David Walther als Dritter. Bester Schweizer Fahrer war Georgiy Zasov (ebenfalls Jenzer). Der letztjährige Schweizer Kart-Meister in der Kat. OK Senior wurde im Finale Zehnter.
Am Mittwoch, 22. Juli, ist mit Heinrich «Heiri» Keller ein ehemaliger Rennfahrer und Mäzen im Alter von 95 Jahren gestorben, dessen grosse Leidenschaft der Automobilrennsport war. Der erfolgreiche Gümliger Unternehmer in der Baubranche unterstützte einerseits talentierte lokale Fahrer wie Peter Arm, Ruedi Frei oder Benjamin Studer, er ermöglichte aber auch einem wie Ruedi Eggenberger den Aufbau einer eigenen Firma. Auch zahlreiche andere Fahrer kamen in den Genuss von Kellers Unterstützung. So unter anderem auch Herbert Müller. Keller war «Stumpen-Herbie» u.a. bei der Anschaffung seines De Tomaso Pantera behilflich.
Keller, der ursprünglich aus der Ostschweiz stammte, fuhr in den Siebzigerjahren auch selber Rennen. Er hatte eine Vorliebe für hubraumstarke Autos. So steuerte Keller nach einem Gruppe-1-Camaro auch den ex-Müller-Pantera sowie später mehrmals einen Ferrari 512M aus Müllers Rennstall in der Schweizer Meisterschaft und im Ausland. Seinen grössten Triumph feierte er 1975 mit dem Gewinn des 4-Stunden-Rennens in Jarama (ESP) an der Seite von Paul Keller (nicht verwandt) auf einem BMW 3.0 CSL.
Sein nächstes Umfeld hat Keller als eine Kämpfernatur beschrieben. Besonders geprägt haben ihn sein Einsatzwille, sein unternehmerisches Denken, seine Sportlichkeit und seine gesellige Art. Auto Sport Schweiz spricht der Familie von «Heiri» Keller sein aufrichtiges Beileid aus. Gemäss einer persönlichen Verfügung findet keine Trauerfeier oder Abdankung statt.
In Anzère war nicht nur Halbzeit in der Schweizer Berg-Meisterschaft, auch der Schweizer Berg-Pokal hat vier von acht Rennen absolviert. Es führen ohne Verlustpunkte Ludovic Monnier und Stephan Burri.
Der Schweizer Berg-Pokal für hubraumschwächere Fahrzeuge gestaltet sich auch dieses Jahr sehr ausgeglichen. Beim Bergrennen in Anzère war Halbzeit. Vier der acht Rennen sind Geschichte – zwei Fahrer haben noch eine weisse Weste: Ludovic Monnier (VW Golf) und Stephan Burri (VW Scirocco). Monnier ist im Berg-Pokal zum ersten Mal in der Rolle des Tabellenführers. Burri kennt das Gefühl bereits. 2023 gewann der Berner, der vor rund sieben Jahren aufgrund seines Berufes als Garagist in den Thurgau ausgewandert ist, den Pokal für Tourenwagen bis 2 Liter. Beide Fahrer haben 80 Punkte auf dem Konto.
Monnier (im Turbo-Golf von Vorjahres-Bergpokal-Sieger Danny Krieg) hat seine Gegner in der E1 bis 2000 cm3 erwartungsgemäss gut im Griff. In Hemberg bezwang er Kurt Tschirky (Opel Kadett) deutlich mit mehr als sechs Sekunden Vorsprung. Auch in La Roche lag der gebürtige Waadtländer 5,6 sec vor dem Opel des schnellen Sébastien Coquoz. In Reitnau hiess der erste Verfolger von Monnier Ruedi Fuhrer im Honda CRX (+6,2 sec). In Anzère war es wieder Coquoz, der am meisten Druck machte, bis auf 4,3 sec an Monnier herankam, aber ohne Turbo Monnier nur bezwingen kann, wenn dieser einen Fehler macht oder ein technisches Problem hat. Dieses hatte Monnier bisher nur einmal. Zum Glück für ihn bei einem Bergrennen in Frankreich, das nicht zur Meisterschaft zählt. «Dort ist mir die Befestigung am Fahrgestell gebrochen», so Ludovic.
Burri muss in der Interswiss bis 2 Liter auf mehr Gegner gleichzeitig aufpassen. Allen voran aber auf Arnaud Donzé im VW Golf. Der Jurassier ist Burri in der Regel immer dicht auf den Fersen. In Hemberg betrug der Vorsprung Burris 1,6, in La Roche waren es 1,4 und in Reitnau gar nur 0,9 Sekunden. Einzig in Anzère hatte Burri mit 6,1 Sekunden Vorsprung Luft nach hinten.
Monnier hat aber noch einen anderen Vorteil auf seiner Seite. Liegen die beiden VW-Piloten auch nach acht Rennen noch ohne Verlustpunkte an der Spitze, entscheiden die Positionen im SCRATCH über die Vergabe des Titels. Und dort hat Monnier die Nase leicht vorne.
Vergleich Monnier vs. Burri im SCRATCH:
Hemberg: Monnier 12., Burri 21.
La Roche: Monnier 16., Burri 23.
Reitnau: Monnier 9., Burri 14.
Anzère: Monnier 15., Burri 19.
Rang 3 im Zwischenklassement belegt bei Halbzeit Hans-Peter Eller auf seinem giftgrünen Opel Kadett C aus der E1 bis 1,6 Liter. Vierter ist Andreas Helm im VW Polo. «Helmi» ist in der IS bis 1,4 Liter bisher auch ungeschlagen. Er erhielt zuletzt in Anzère aber nur halbe Punkte, weil in seiner Gruppe zu wenig Gegner gestartet sind. Platz 5 geht im Moment an Werner Rohr mit seinem Toyota Corolla (IS bis 1,6 Liter). Rohr hat in La Roche (hinter Martin Howald und Christophe Oulevay) Federn gelassen. Auch in Reitnau war Howald schneller, Auf Platz 6 folgen ex-aequo Arnaud Donzé und Thomas Zürcher im Renault Clio. Letzterer war bis Anzère ebenfalls noch einer der Führenden. Der Unfall im Wallis hat ihn die bisherige Top-Position gekostet. Die restlichen Fahrer der Top 10: 8. Stefan Schöpfer (Audi 50), 9. Beat Rohr (Renault Clio), 10. Beat Oertig (Peugeot 106).
Die bisherigen Meister des Schweizer Berg-Pokals
2014 Martin Bürki, VW Polo
2015 Martin Bürki, VW Polo
2016 Danny Krieg, Audi A4
2017 Giuliano Piccinato, Honda Integra Type R
2018 Martin Bürki, VW Polo
2019 Philip Krebs, Renault Clio
2020 (wegen Corona keine Meisterschaft)
2021 (wegen Corona keine Meisterschaft)
2022 Martin Bürki, VW Polo
2023 Stephan Burri, VW Scirocco
2024 Jean-François Chariatte, Fiat X1/9
2025 Danny Krieg, VW Golf Rally
In der Schweizer Junioren-Meisterschaft steht noch ein Rennen aus: am 30. August in Oberhallau. Noch ist die Entscheidung, wer den Titel gewinnt, offen. Aber es gibt nur noch einen Fahrer, der Alessandro Grispino am Titelgewinn hindern kann.
Alessandro Grispino kann sich beim Finale der Schweizer Junioren-Meisterschaft in Oberhallau (29./30. August) eigentlich nur selber schlagen. Grispino, der 2025 überraschend, aber sehr souverän Schweizer Slalom-Meister wurde, hat alle Trümpfe in der Hand. Als Einziger hat er nach sieben von acht Rennen, die zur Junior-Meisterschaft zählen, das Punktemaximum auf dem Konto. Punktet er auch beim Bergrennen in Oberhallau, ist ihm der Titel sicher. Nur ein Nuller von Grispino im letzten Rennen könnte die Sache nochmals spannend machen.
In einem solchen Fall wären es aber nicht die direkten Verfolger Steven Chiquita, der im Moment zehn Punkte hinter Grispino liegt, oder Hugo Mascaro (beide auf BMW), der 20 Punkte Rückstand auf den Renault-Clio-Fahrer hat, die Grispino noch am Titel hindern könnten. Es ist einzig und allein Formel-3-Pilot Ursanne Salomon, der Grispino noch abfangen könnte. Salomon, im Moment Gesamtvierter, käme bei einem Sieg in seiner Gruppe und einem gleichzeitigen Nuller von Grispino ebenfalls auf 150 Punkte. Da es in jeder Disziplin (Slalom und Bergrennen) je ein Streichergebnis für die Junioren gibt, hätten die beiden in diesem Moment dieselben Streichresultate. In einem solchen Fall würden dann (als nächstes Argument) die geschlagenen Gegner im SCRATCH zählen. Und dort läge Salomon gegenüber Grispino vorne.
Dass dieser Fall in Oberhallau eintritt, ist bei der Konstanz Grispinos sehr unwahrscheinlich. Der 25-Jährige aus Steinen im Kanton Schwyz hat schon im vergangenen Jahr (und auch in dieser Saison) in der Schweizer Slalom-Meisterschaft bewiesen, dass ihn so schnell nichts aus der Ruhe bringt. Ausserdem hat ihn sein Renault Clio R3 bisher nur ganz, ganz selten im Stich gelassen. Und wenn, dann hat der gelernte Mechatroniker das Problem souverän lösen können.
Für Salomon geht es also wahrscheinlich «nur» noch um Platz 2. Den kann er sich mit einem Sieg bei den Formel-Autos und dem Erreichen von 150 Punkten aber aus eigener Kraft holen. Denn Chiquita kommt im besten Fall (nach Abzug der beiden Streichresultate) auf 145, Mascaro auf 135 Punkte. Einer der beiden BMW-Piloten – und das ist das Spannende in Oberhallau, weil die beiden direkt gegeneinander fahren – könnte also noch vom Gesamtpodium purzeln.
Zur Schweizer Junior-Meisterschaft: Seit zwei Jahren trägt Auto Sport Schweiz im Rahmen der Schweizer Slalom- respektive Berg-Meisterschaft ein Junioren-Championat aus. Das Besondere daran: Die Fahrer und Fahrerinnen können mit ihren eigenen Autos (Tourenwagen bis 2,5 Liter/Rennwagen bis 2 Liter) teilnehmen. Gewertet werden vier Slaloms und vier Bergrennen. Teilnehmen können alle Fahrer und Fahrerinnen, die im Besitz einer NAT- oder INT-Lizenz von ASS sind. Die Teilnehmenden dürfen nicht älter als 25 Jahre sein (Jahr, in dem sie das 25. Altersjahr erreichen). Es gibt eine Wertung – mit zwei Streichresultaten: eines bei einem Slalom, eines bei einem Bergrennen. Meister oder Meisterin wird, wer disziplinenübergreifend die meisten Zähler holt. 2024 sicherte sich Jannis Jeremias (VW Polo) den Titel, 2025 gewann Lionel Ryter (Formel Renault) die Meisterschaft. Beide erhielten im Folgejahr ihre Rennlizenz gratis.
Auf internationaler Bühne fielen die Erfolge der Schweizer Rennfahrer und Rennfahrerinnen am vergangenen Wochenende etwas spärlicher aus als sonst.
Die Formel-E-WM 2025/2026 steuert auf ihr grosses Finale in London (GBR) am 15./16. August hin. Einer, der immer noch intakte Titelchancen hat, ist der Genfer Edoardo Mortara. Wenngleich sich seine Ausgangslage am vergangenen Wochenende beim Doubleheader in Tokio (JAP) verschlechtert hat. Nach Platz 5 im ersten Rennen, startete Mortara am Sonntag auf nasser Fahrbahn zum vierten Mal in dieser Saison von der Pole-Position (Rekord!). Trotz Führungsrunden schaffte es der Mahindra-Pilot nicht, die gute Ausgangslage in wertvolle Punkte umzusetzen. Zuerst wurde er wegen eines nicht optimalen Reifendrucks durchgereicht, am Ende blieb er gar in einer Massenkollision stecken und holte gar keine Zähler. «Ich bin mit dem Regen-Set-Up gestartet, und das war nicht die richtige Entscheidung», meinte Mortara. «Dass man an einem solchen Tag, der mit der Pole-Position beginnt, leer ausgeht, ist enttäuschend.» In der Meisterschaft liegt «Edo» 30 Punkte hinter Leader Jake Dennis auf Rang 5. Für Nico Müller endeten die Rennen in Japan auf den Rängen 18 und 7. Sébastien Buemi wurde 14. respektive 15. Die Siege in Tokio gingen an Dan Ticktum (GBR) und Mortaras Teamkollege Nyck de Vries (NED).
Auch in der DTM in Oschersleben (GER) backten die Schweizer Vertreter am Wochenende eher kleine Brötchen. Ricardo Feller (Porsche) belegte die Plätze 10 und 8 und büsste in der Meisterschaft die eine oder andere Position ein (neu 14.). Und auch die beiden Emil-Frey-Piloten Thierry Vermeulen (9./15.) sowie Mateo Cairoli (11./10.) kamen nie so richtig auf Touren. Die Gewinner von Oschersleben hiessen Thomas Preining (AUT) und Mirko Bortolotti (ITA).
Punkte gab es für die Schweizer Formel-4-Piloten in Italien. Beim vierten Lauf zur italienischen Meisterschaft in Mugello fuhr Florentin Hattemer (Trident) im ersten Rennlauf auf Platz 6. Im zweiten Vorlauf wurde er Zehnter, im Finale 19. Levi Arn (Jenzer Motorsport) belegte die Plätze 22, 9 und 14. Andreas Lo Bue (Maffi Racing) verpasste nach den Rängen 23 und 25 das Finale. Bester Jenzer-Pilot war Bader Al-Sulaiti. Der junge Katari wurde im dritten Vorlauf Zweiter, im Finale Siebter. Der Deutsche Elia Weiss (ebenfalls bei Jenzer unter Vertrag) stand zwei Mal auf Pole-Position, konnte diese gute Ausgangslage aber nicht nützen und schied in beiden Rennen aus.
Auch Red-Bull-Juniorin Chiara Bättig stand am Wochenende in der britischen Formel 4 im Einsatz. Beim sechsten Aufeinandertreffen in Thruxton (GBR) erzielte sie die Ränge 13, 8 und 9.
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