Ricardo Feller (GT World Challenge) und Philip Ellis (IMSA) liegen für die Schweiz auf Titelkurs. Grosser Gewinner des GTWC-Wochenendes in Zandvoort war aber ganz klar das Team Emil Frey Racing.
GT3-Spezialist Ricardo Feller steht vor einem weiteren internationalen Titel. Der gebürtige Aargauer liegt vor dem Finale des Sprint Cups in der GT World Challenge in Barcelona (ESP) zusammen mit Teamkollege Bastian Buus aus Dänemark in Führung. Der Vorsprung Fellers beträgt zwar nur sechs Punkte. Doch der Porsche-Pilot aus dem Team Lionspeed GP ist bisher an jedem Rennwochenende mindestens einmal Zweiter geworden. So auch am vergangenen Wochenende beim Sonntagsrennen in Zandvoort (NED). Dieses war überhaupt fest in Schweizer Händen. Die Plätze 1 und 3 gingen an das Team Emil Frey Racing, das in Zandvoort sein bisher bestes Weekend im Rahmen des Sprint Cups erleben durfte. «Am Samstag haben wir im Qualifying nicht unser volles Potenzial ausgeschöpft, besonders mit dem #14 Ferrari», sagt Teamchef Lorenz Frey-Hilti. «Aber im Rennen selbst waren wir solide mit guten Boxenstopps und starken Überholmanövern. Am Sonntag haben wir dann alles richtig gemacht. Schade, dass wir beim Boxenstopp den zweiten Platz verloren haben, aber das ist das Problem, wenn man nur Platz für ein Fahrzeug hat – aber Platz 1 und 3 sind natürlich trotzdem ein hervorragendes Resultat.» Das starke Schweizer Ergebnis wurde mit Rang 7 durch Patric Niederhauser abgerundet. Das Finale in Barcelona findet am 3./4. Oktober statt.
Auch Philip Ellis ist weiter auf Titelkurs. Der Zuger hat beim vorletzten Lauf zur IMSA in Indianapolis den zweiten Rang in der GTD an Land gezogen. Weil das direkte Verfolger-Duo das Rennen gewann, ist Ellis’ Vorsprung vor dem Finale in Road Atlanta (3. Oktober) jedoch auf sechs Punkte geschmolzen. Behält Ellis auch im letzten Rennen die Oberhand, wäre das sein dritter GTD-Titel in der IMSA in Serie. Für Cadillac-Werksfahrer Louis Delétraz, der bei den Prototypen fährt, endete das Rennen in Indianapolis auf dem undankbaren vierten Rang.
Eine weitere Schweizer GT3-Podestplatzierung gab es in der 24h Series in Barcelona. Dort belegte das Team Hofor Racing auf ihrem Mercedes AMG GT3 nach 740 gefahrenen Runden Rang 3 im Gesamtklassement und P2 in der Kategorie AM.
Auch in der italienischen Formel 4 wurde am Wochenende der vorletzte Lauf ausgetragen. Zwei vierte Plätze waren aus Schweizer Sicht die beste Ausbeute. Verantwortlich dafür waren für Jenzer Motorsport der Deutsche Elia Weiss und für Maffi Racing der Däne David Walther. Die besten Ergebnisse der Schweizer Fahrer waren ein siebter Platz von Florentin Hattemer (Trident), ein achter Platz von Levi Arn (Jenzer, P3 bei den Rookies) und ein 17. Rang von Georgiy Zasov (Prema). Das Finale in Mugello findet am 30. Oktober/1. November statt.
Reto Meisel hat beim letzten Lauf zur Europa-Bergmeisterschaft in Kroatien nochmals einen Sieg und einen Rekord feiern dürfen. Zum Gewinn des EM-Titels über alle fünf Gruppen reichte es knapp nicht.
Beim zehnten und letzten Lauf zur Europa-Bergmeisterschaft in Kroatien feierte Reto Meisel seinen sechsten Gesamtsieg in der FIA-Kategorie 1. Mit seinem bewährten Mercedes SLK340 Judd stellte der Aargauer auf der 5001 Meter langen Strecke von Buzet auch einen neuen Rekord für geschlossene Fahrzeuge auf.
Trotzdem reichte es am Ende nicht mehr ganz zum Gewinn des EM-Titels über alle fünf Gruppen. Dieser geht an den Kroaten Matija Jurisic, der mit seinem optimalen Peugeot 308 TCR sieben Siege und drei zweite Plätze in der Gruppe 4 feierte und so auf 211 Punkte kommt. Meisel gewann zwar ebenso oft die Gruppe 1 der leistungsstärksten Tourenwagen/GT, verzeichnete zuvor aber einen Nuller in Slowenien (Unfall mit dem Mitsubishi) und hat daneben noch je einen zweiten und dritten Platz vorzuweisen, womit er auf 208 Zähler kommt.
Für den zweifachen Schweizer Tourenwagen-Bergmeister (2016 und 2022) war es dennoch eine erfolgreiche Saison. Meisel hatte gar nicht geplant, wie 2025 eine komplette EM-Saison zu bestreiten. Als er sich plötzlich in einer sehr guten Ausgangsposition befand, entschied er sich um. So holte er – bedingt auch durch das Ausscheiden einiger direkten Gegner durch Unfälle oder technische Defekte – überlegen den Titel in der Königsklasse und in der Performancewertung. Daher zieht Meisel eine positive Bilanz mit leichtem Augenzwinkern: «Für mich ist alles okay: Winner Group 1, Best Performer und Vize-Europameister. Es war eine geile Saison, in der ich dazu gelernt habe. Ich habe ja erst angefangen…»
Den letzten Tagessieg in der Saison 2026 errang wie beim Schweizer EM-Lauf im August der Franzose Kevin Petit auf Nova NP01 Emap Turbo. Als Europameister über alle vier Proto-Gruppen stand schon zuvor der unter Pseudonym «O’Play» startende Italiener Antonino Migliuolo auf einem Nova NP03 Aprilia fest. Der Titel in der Gruppe P1 geht an den Spanier Joseba Iraolo Lanzacorta, jener in der Performancewertung an den Tschechen Petr Trnka (beide Nova NP01 Emap Turbo). Schweizer waren in der EM-Kategorie 2 keine am Start.
Text: Peter Wyss
Ludovic Monnier hat das geschafft, was schon Danny Krieg, dem Vorbesitzer des weissen VW Golf Turbo gelungen ist: Der gebürtige Waadtländer hat die Schweizer Berg-Meisterschaft bei den Tourenwagen und den Schweizer Berg-Pokal gewonnen.
Ludovic Monnier hat das Meisterauto von Danny Krieg 2025 nicht einfach nur so zum Spass gekauft. Der gebürtige Waadtländer mit Wohnsitz im Wallis hat sich den weissen VW Golf Turbo im Wissen angelacht, dass er damit wie sein Vorbesitzer Schweizer Berg-Meister bei den Tourenwagen werden kann. Viel habe er am Auto nicht verändert; am Motor schon gar nicht, betont Monnier. Wieso auch? Der Golf von Krieg hat schon 2025 sehr gute Zeiten hingelegt. Monnier hat diese vor allem in der zweiten Saisonhälfte 2026 nochmals verbessert. Beim Saisonfinale in Les Paccots fuhr der 34-Jährige im Vergleich zu Kriegs Bestzeit im Vorjahr 1,687 Sekunden schneller. In der Addition der beiden schnellsten Zeiten war er mit 1:55,875 min gar 3,3 Sekunden schneller. Damit sicherte sich Monnier den angepeilten Sieg in der E1. Ihm am nächsten kam Hermann Bollhalder – und das bei dessen Debüt in Les Paccots. Der Opel-Fahrer aus Wattwil fuhr in 1:58,920 min eine beachtliche Endzeit, konnte Monnier aber nicht am Klassensieg hindern. Die 25 Punkte, die Monnier für den E1-Sieg in Les Paccots kassierte, reichten ihm so souverän zum Titelgewinn. «Ein schönes Gefühl», meinte Monnier. Schliesslich habe er auch hart dafür arbeiten müssen. Auch Vorbesitzer Danny Krieg liess ausrichten: «Gratulation an Ludovic! Ich freue mich, dass er mit meinem Ex-Auto den Titel geholt hat. Irgendwie macht mich das auch stolz.»
Mit nur einem Punkt Rückstand sicherte sich «Speedmaster» Rang 2 bei den Tourenwagen. Der Teamchef von MB Motorsport hatte seinen Ford Escort für Les Paccots von einem E1- in ein Interswiss-Auto umgebaut. In dieser Klasse fuhr er schon im ersten Durchgang eine neue Rekordzeit von 58,723 sec, sicherte sich den IS-Gesamtsieg und heimste so 27 Punkte ein. Die reichten gerade nicht, um Monnier noch abzufangen. Das war dem Berner Garagisten aber reichlich egal. «Ich bin mehr als glücklich und habe mich selten so für einen anderen gefreut wie für Ludovic. Ich habe ihn kennengelernt, da war er vier Jahre alt. Da bin ich noch gegen seinen Vater gefahren.» Als Gesamtachter war «Speedmaster» zweitschnellster Tourenwagenfahrer beim Finale – zwei Positionen hinter Monnier.
Um Platz 3 in der Tourenwagen-Meisterschaft war es bis zum dritten und letzten Rennlauf spannend geblieben. Weil Stephan Burri aus eigener Kraft kein besseres IS-Ergebnis einfahren konnte und mit Platz 4 hinter «Speedmaster», Jean-Paul Chiquita auf seinem Porsche GT3 und Dominic von Rotz auf seinem Allrad-Audi A4 vorlieb nehmen musste, war es Sergio Kuhn im TCR-Peugeot, der Platz 3 ins Visier nehmen konnte. Dafür musste der Zürcher seine TCR-Kollegen jedoch bügeln – und danach sah es nach zwei Läufen noch nicht aus. Opel-Pilot Peter Steck lag vor der letzten Auffahrt keck 0,171 Sekunden vor Kuhn. Dieser schaffte es aber gerade noch, das Blatt zu seinen Gunsten zu wenden und sicherte sich so genug Punkte, um Burri trotz neuem 2-Liter-IS-Rekord wegen einem halben Pünktchen noch von Rang 3 zu verdrängen. Damit endete die Saison 2026 bei den Tourenwagen mit der folgenden Reihenfolge: 1. Monnier, 2. «Speedmaster», 3. Kuhn, 4. Burri, 5. Bollhalder. Nicht in die Meisterschaftsentscheidung eingreifen, konnte Remo Fischer mit seinem E1-Ford-Cosworth. Der Sieger des Slaloms von Bière hätte Monnier vielleicht noch gefährlich werden können. Doch an Fischers Ford ist im zweiten Trainingslauf die Schaltgabel gebrochen. Trotz rascher Ersatzteilbeschaffung lief das Getriebe tags darauf nicht rund und Fischer musste so auf das Rennen in Les Paccots verzichten.
Einen kleinen Trost gab es für Stephan Burri dennoch. Im Berg-Pokal für hubraumschwächere Fahrzeuge bis 2 Liter sicherte er sich hinter Monnier Platz 2. Burri und Monnier kamen in der Endabrechnung beide auf das Punktemaximum. Weil Monnier aber die besseren Ergebnisse im SCRATCH vorweisen kann, geht auch dieser Sieg nach Monthey. Und damit hat Monnier – wie Krieg 2025 – beide Titel gewinnen können. Platz 3 im Berg-Pokal sicherte sich Hans Peter Eller im Opel Kadett C.
Den Tagessieg in Les Paccots holte sich standesgemäss Robin Faustini im Nova-Emap NP01. Der bereits vor dem Rennen als Meister festgestandene Aargauer hat die Fans entlang der Strecke mit drei Top-Fahrten (alle unter 48,3 sec!) nochmals entzückt. Sein sechster Saisonsieg (im siebten Rennen) war so nie in Gefahr. Einen neuen Streckenrekord hat sich Faustini für nächstes Jahr, falls er wieder in der Schweizer Meisterschaft fährt, aufbewahrt…
Mit 2,8 Sekunden Rückstand (in der Addition der beiden schnellsten Zeiten) belegte Joël Volluz auf seinem Norma-Judd M20 FC den zweiten Rang. Mit knapp einer Sekunde Rückstand auf Volluz beendete Michel Zemp auf seinem Norma-Helftec die Saison als Tagesdritter. In der Meisterschaft war ihm Platz 2 schon vor Les Paccots sicher. «Zwei Mal hintereinander mit einem 2-Liter-Auto Zweiter in der Schweizer Berg-Meisterschaft zu werden, ist sicher kein schlechtes Zeugnis», sagt Zemp. «Ich bin zufrieden mit meiner Saison. Hätte mir jemand den Vize-Titel vor der Saison angeboten, ich hätte ihn genommen…» Die Ränge 4 und 5 im SCRACHT gingen an Simon Hugentobler (Osella PA30) und Antonino Scolaro (Nova NP03). Bester Formel-Pilot war Lilian Bittel als Zwölfter. Die Top 5 der Rennwagen im Überblick: 1. Faustini, 2. Zemp, 3. Steiner, 4. Darbellay, 5. Volluz.
Schnellster bei den REGionalen war in Les Paccots Mattia Stacchi im BMW M3 E30 – vor Emanuele Tognacca (VW Golf) und Michaël Béring (Bery ES7).
Alle CH-Klassensieger in Les Paccots entnehmen Sie der Übersicht:
Sylvain Chariatte (Honda Integra, SuperSérie), Patric Kuster (Toyota GR Yaris, SuperSérie Comp. bis 3000 cm3), Pierre Mürner (Porsche GT3 992, SuperSérie Comp. Über 3000 cm3), Markus Brander (March 742, Gr. H Rennwagen bis 1600 cm3), Maurice Girard (BMW 320, Gr. H Tourenwagen bis 2000 cm3), Julien Tornay (BMW 325i, Gr. H Tourenwagen bis 2500 cm3), Robin Terrier (Opel Astra, Klassische Fahrzeuge bis 2000 cm3), Jean-Louis Fleury (Opel Ascona B, Klassische Fahrzeuge über 2000 cm3), Hanspeter Thöni (Peugeot 106, PSA Trophy N), Ramon Hänggi (Citroën Saxo, PSA Trophy A), Nicolas Pasche (Renault Clio II, N/ISN), Thomas Ruesch (Honda Civic, A/ISA), Sergio Kuhn (Peugeot 308, TCR), Hans-Peter Eller (Opel Kadett C, E1 bis 1600 cm3), Ludovic Monnier (VW Golf Rally, E1 bis 2000 cm3), Jonas Magnin (Honda Civic, E1 bis 2500 cm3), Hermann Bollhalder (Opel Speedster, E1 bis 3000 cm3), Bruno Ianniello (Lancia Delta S4, E1 bis 3500 cm3), Christoph Zwahlen (Porsche 911, E1 bis 4000 cm3), Anthony Strahm (Porsche 944, E1 über 4000 cm3), Andreas Helm (VW Polo, E1 bis 1400 cm3), Christophe Oulevay (VW Scirocco, IS bis 1600 cm3), Stephan Burri (VW Scirocco, IS bis 2000 cm3), Ferdi Waldvogel (BMW M3 E30, IS bis 2500 cm3), «Speedmaster» (Ford Escort, E1 über 2500 cm3), Jesse Handschin (Norma M20 FC, CN), Guillaume Schaffner (Formel Arcobaleno, E2-SS bis 1150 cm3), Lilian Bittel (Formel Renault, E2-SS bis 2000 cm3), Hans Pfeuti (Tatuus F4, E2-SS bis 3000 cm3), Michel Zemp (Norma M20 FC, E2-SC bis 2000 cm3), Robin Faustini (Nova NP01, E2-SC bis 3000 cm3).
Kevin Gilardoni hat am Wochenenden zum siebten Mal den Gesamtsieg beim Rally del Ticino feiern dürfen. Nicolas Lathion, der Gesamtführende der Schweizer Rallye-Meisterschaft, wurde Fünfter und hat seinen Vorsprung vor dem Finale im Wallis (29.-31. Oktober) weiter ausgebaut.
Kevin Gilardoni und das Rally del Ticino – das passt (wie man heute so schön sagt) wie die Faust aufs Auge. Am Wochenende war der 34-Jährige aus dem Misox einmal mehr nicht zu schlagen. Allerdings hatte Gilardoni, der diesmal mit einem Toyota GR Yaris Rally2 fuhr, alle Hände voll zu tun, den siebten Gesamtsieg nach Hause zu fahren. 2024 hatte Gilardoni am Ende einen Vorsprung von fast 1:45 min. Bei der 28. Ausgabe des «Ticinos» waren es am Samstagabend (bei zwei Etappen weniger als vor zwei Jahren) nur 12,4 Sekunden.
Gilardoni, der in diesem Jahr schon drei Rennen in der Super Trofeo Lamborghini (also auf der Rundstrecke) gewonnen hat, ging ab der zweiten Prüfung in Führung. Die erste Bestzeit liess noch etwas länger auf sich warten. Erst nach der Mittagspause war der Mann mit der Startnummer 1 mit seinem italienischen Beifahrer Corrado Bonato bei den beiden kurzen Valcolla-Prüfungen der Schnellste. Der erste, der sich in die WP-Bestzeitenliste des diesjährigen «Ticinos» eintragen durfte, war Stefano Mella mit Beifahrerin Veronica Tramontin auf seinem Skoda Fabia RS Rally2 am Freitagabend. Am Samstagmorgen war die Reihe dann an Kim Daldini und Céline Lachelin (ebenfalls auf einem Skoda Fabia RS Rally2). Der 33-jährige Tessiner fuhr wie entfesselt zwei Mal Bestzeit und lag in der Mittagspause nur 6,8 Sekunden hinter Gilardoni. Hätte Daldini am Freitagabend in der ersten WP keinen Frühstart hingelegt, wäre er sogar in Führung gelegen. Doch für den «Fauxpas» im Industriegebiet in Chiasso bekam Daldini eine Zehn-Sekunden-Strafe aufgebrummt.
Weil Gilardoni nach der Mittagspause bis auf den Italiener Simone Miele, der in der fünften WP die Bestzeit fuhr, alles im Griff hatte, waren die Plätze auf dem Podium bezogen. Gilardoni feierte seinen siebten Gesamtsieg vor Daldini und Miele. Da Letzterer als Italiener keine SM-Punkte bekommt, ging der dritte Platz im Schweizer Klassement an Gauthier Hotz/Michaël Volluz auf Skoda Fabia RS Rally2. Für den erst 23-jährigen Jurassier war dieser dritte Platz ein Riesen-Erfolg. Hotz verlor auf die gesamte Rallye gesehen nur 30 Sekunden auf Gilardoni und stand bei seinem erst zweiten Einsatz mit einem Rally2-Auto bereits auf dem Podium. Wenn man bedenkt, dass der Sohn des achtmaligen Schweizer Rallye-Meisters Grégoire Hotz von vor fast zwei Jahren seine letzte Rallye bestritten hat, ist seine Leistung noch höher einzustufen.
Acht Sekunden hinter Hotz belegte Thibault Maret mit seinem belgischen Co-Piloten Louis Louka auf Citroën C3 Rally2 den fünften Gesamtrang. Direkt dahinter kam Nicolas Lathion/Morgane Apothéloz auf ihrem Skoda Fabia RS Rally2 ins Ziel. Das führende Duo in der Meisterschaft war mit mehr als 30 Sekunden Rückstand nach drei Prüfungen gar nicht zufrieden. «Das Auto macht nicht, was ich will», meinte Lathion. «Wir haben zwar neue Reifen, aber kaum Grip.» Dank ein paar Umbauten in der Pause änderte sich das Fahrverhalten. «So konnten wir danach in den letzten drei Prüfungen wieder mithalten.» In der Meisterschaft haben Lathion/Apothéloz ihren Vorsprung ausgebaut. Vor dem grossen Finale im Wallis (29.-31. Oktober) liegt das Duo 22 Punkte vor Pascal Perroud, 25 vor Mike Coppens, je 28 vor Florian Gonon und Thibault Maret sowie 32 vor Jonathan Hirschi. Bei noch maximal 32 zu vergebenen Zählern ist also noch nichts entschieden. Lathion hat aber gute Karten, bei seiner Heimrallye als Meister vom Platz zu gehen.
Bestes Team bei den «Kleinen» waren Aramis Cereghetti/Kim Defelippis auf einem Renault Clio S1600. Platz 2 ging an Davide Chiappa/Pietro d’Agostino (Lancia Ypsilon Rally4). Auf Platz 3 reihten sich Danilo und Nicole Pin auf ebenfalls einem Renault Clio S1600 ein. Auswirkungen auf den Rallye-Pokal hatte die Rally del Ticino keine. Dort führen weiter Michaël Esteves/Ismaël Berdayes auf ihrem Opel Corsa Rally4. Neu auf Platz 2 liegen Alain Rey/Estelle Coppex auf Renault Clio Rally5.
In der historischen Klasse, der VHC, setzten sich Julien Camandona/Mélanie Crettaz (auf BMW M3 E30) erfolgreich durch. Auch auf den weiteren Podestplätzen landeten zwei BMW: 2. Clovis Brosy/Frédéric Erismann, 3. Eddy Bérard/Florence Bérard. Letztere führen das Gesamtklassement mit 18 Punkten Vorsprung auf Camandona/Crettaz an. Auch hier wird es im Wallis also nochmals spannend.
Weitere Informationen zur Rally del Ticino 2026 gibt es unter diesem Link.
Und so geht es weiter:
29.-31. Oktober, Rallye International du Valais
Hochspannung beim letzten Bergrennen der Saison! Wer sichert sich beim Finale in Les Paccots den Tourenwagen-Titel? Die besten Karten haben (in dieser Reihenfolge): Ludovic Monnier, «Speedmaster», Sergio Kuhn und Stephan Burri.
Robin Faustini kann das Finale der Schweizer Berg-Saison 2026 entspannt angehen. Der 28-jährige Aargauer hat mit seinem Nova-Emap NP01 seinen dritten in Serie beim vorletzten Rennen in Oberhallau bereits eingefahren. Auch der Zweitplatzierte Michel Zemp kann beim Finale in Les Paccots nicht mehr eingeholt werden. Weil Marcel Steiner und Victor Darbellay am Sonntag im Fribourgischen nicht am Start stehen, hat der Luzerner seinen zweiten Gesamtrang aus dem Vorjahr erfolgreich verteidigt – unabhängig davon, was beim letzten Rennen noch passiert. Auch der dritte Platz von Steiner ist nicht mehr in Gefahr. Joël Volluz in seinem Norma-Mader V8 kann den sechsmaligen Schweizer Berg-Meister selbst mit einem Tagessieg in Rekordzeit (wegen einem Punkt) nicht mehr abfangen. Einzig Lionel Ryter hat noch theoretische Chancen. Der junge Walliser müsste mit seinem Formel Renault 2.0 dafür aber den Tagessieg erringen. Bei der Konkurrenz (Faustini, Volluz, Zemp, Hugentobler) ein – sagen wir – aussichtsloses Unterfangen.
Ganz anders sieht die Ausgangslage bei den Tourenwagen aus. Dort ist Hochspannung angesagt, wobei einer schon im Vorfeld schlechtere Karten hat: Sergio Kuhn. Der schnelle Peugeot-Pilot hat in seiner Kategorie TCR nur fünf Gegner. Der Zürcher wird also in Les Paccots nur halbe Punkte einstreichen und kann somit maximal 14,5 Zähler holen. Das würde ihn (inkl. Streichergebnis) in der Gesamtwertung auf 118,5 Punkte bringen. Zum Titel wird das voraussichtlich nicht reichen. Die besten Chancen, diesen zu holen, hat Ludovic Monnier. Der gebürtige Waadtländer, der auf diese Saison das letztjährige Meisterauto von Danny Krieg übernommen hat, liegt vor dem Finale auf Rang 2. Gewinnt Monnier die E1, würden weitere 25 Punkte auf sein Konto fliessen. Mit dem Streichergebnis von La Roche (14 Punkte) käme er dann auf total 124 Zähler. Wobei die Betonung auf «käme» liegt. Monnier muss, um 25 Punkte zu kassieren, Top-Piloten wie Christoph Zwahlen, Remo Fischer oder Hermann Bollhalder, der zum ersten Mal in Les Paccots fährt, bezwingen. Krieg ist das im Vorjahr gelungen. Der Vorbesitzer des VW Golf Turbo fuhr in Les Paccots 2025 eine E1-Bestzeit von 59,422 sec (total 1:59,259 min). Monnier ist also gefordert. Aber er hat in diesem Jahr bewiesen, dass er die Zeiten von Krieg fahren, ja sogar schlagen kann. Einen neuen E1-Rekord wird Monnier zum Titelgewinn nicht brauchen. Dieser stammt von Roger Schnellmann aus dem Jahr 2023 und liegt mit 55,698 sec sowieso ausserhalb der Reichweite Monniers.
Die zweitbeste Ausgangslage hat «Speedmaster». Der Berner Garagist greift in Les Paccots mit einem Porsche GT3 in der Interswiss an. Dort könnte er neben den 25 Punkten für die IS-Bestzeit auch noch zwei Extrapunkte für einen neuen Divisions-Rekord einfahren. Dieser liegt bei 58,987 min – aufgestellt im Vorjahr durch Jean-Paul Chiquita (ebenfalls auf Porsche GT3). Gelingt «Speedmaster» dieses Kunststück, käme er auf 123 Punkte. Im Falle eines Monnier-Sieges in der E1 würde das knapp nicht zum Titel reichen…
Traurig, aber wahr: Die schlechtesten Karten im Kampf um den Titel hat der bis dato führende Stephan Burri. Der gebürtige Berner liegt vor dem Finale mit 116 Punkten in Führung, kann sein Konto aber nur dann aufstocken, wenn er in der Interswiss mindestens Zweiter wird. Ein dritter Platz wäre ein weiterer «17er», also ein Streichresultat. Nur ein Zwanziger kann ihn vor Kuhn, wenn dieser in der TCR gewinnt, hieven. Dafür müsste Burri aber zwei der drei IS-Hochkaräter bezwingen. Und das wird eine kaum lösbare Aufgabe. «Speedmaster», Chiquita und Dominic von Rotz im Audi A4, gegen den Burri in Oberhallau zuletzt das Nachsehen hatte, liegen wohl ausser Reichweite des VW-Scirocco-Piloten.
Offen ist auch noch die Entscheidung im Berg-Pokal für hubraumschwächere Fahrzeuge bis 2 Liter. Auch dort liegt Burri in Führung – punktgleich mit Monnier. Sahnen die beiden auch in Les Paccots je 20 Punkte ab, ist Monnier der Sieger, weil er die besseren SCRATCH-Ergebnisse vorweisen kann. Auf Platz 3 – mit fünf Punkten Rückstand – folgt Hans Peter Eller (Opel Kadett).
Zur Strecke: Die Strecke von Châtel-Saint-Denis nach Les Paccots misst 2,325 km. Insgesamt müssen die Piloten 206 Höhenmeter zurücklegen. Die durchschnittliche Steigung beträgt 9,24 Prozent, damit ist Les Paccots das «steilste» Rennen im Kalender 2026. Den Streckenrekord hält Robin Faustini. Er bewältigte die Strecke 2025 in 47,385 sec, was einer ziemlich beeindruckenden Durchschnittsgeschwindigkeit von 176,656 km/h entspricht.
Die Trainingsläufe starten am Samstag, 19. September, ab 13.30 Uhr. 18.30 Uhr wird die Strecke nach Les Paccots wieder für den öffentlichen Verkehr geöffnet. Am Sonntag stehen um 7.30 Uhr und 9.10 Uhr die Trainingsläufe 4 und 5 an. Der erste von drei Rennläufen startet um 10.50 Uhr. Die beiden besten Laufzeiten werden am Ende addiert. Mittagspause ist zwischen 12.30 und 13.30 Uhr. Der Eintritt am Samstag ist frei, das Ticket am Sonntag kostet 15 Franken. Unter 16 Jahren ist der Eintritt auch am Sonntag frei.
Mehr über das Bergrennen Les Paccots erfahren Sie unter https://paccots.ecuriedeslions.ch/
Termine Schweizer Berg-Meisterschaft 2026
6./7. Juni, Hemberg*
13./14. Juni, La Roche – La Berra*
28. Juni, Reitnau
25./26. Juli, Ayent – Anzère*
14.-16. August, Saint-Ursanne – Les Rangiers
29./30. August, Oberhallau*
19./20. September, Châtel-St-Denis – Les Paccots
Anm.: Die mit Sternen versehenen Rennen zählen zur Schweizer Junior-Meisterschaft.
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