Am Wochenende fand in Levier (FRA) der dritte Lauf zur autobau Schweizer Kart-Meisterschaft statt. Dank dem einen oder anderen Drama bleibt es in allen Kategorien spannend. Etwas von der Konkurrenz absetzen konnte sich nur einer: Super-Mini Ben Iten.
Ihr Name ist eigentlich Programm. Joy Allemann versprüht Lebensfreude und hat immer ein Lachen auf den Lippen. Am Sonntag nach dem Finale der Super Minis war es ihr für einmal aber nicht zumute. Im Dreikampf mit ihren Teamkollegen von Spirit, Ben Iten und Kimi Prost, hat die Elfjährige Tochter von Teambesitzer Ken Allemann eine Niederlage einstecken müssen, obwohl alles noch gut angefangen hatte: Platz 2 im Quali, Sieg im ersten Vorlauf und Rang 2 im zweiten Vorlauf. Doch im Finale passte nichts mehr zusammen. Joy kam am Vorstart nicht weg und musste dem Feld hinterherjagen. Nur weil es eine dritte Einführungsrunde gab, konnte sie ihre ursprüngliche Startposition noch halbwegs einnehmen. Doch das half ihr nicht sehr viel weiter. In der zweiten Runde drehte sie sich und fiel ans Ende des Feldes zurück. Dort fuhr sie das Rennen zwar zu Ende, aber der anvisierte Podestplatz rückte in weite Ferne. Da halfen auch die aufmunternden Worte des Gesamtleaders Ben Iten und dessen Tätscheln auf den Helm der jungen Nachwuchspilotion nach Ablauf der elf Runden nicht viel. Nach Levier, also bei Halbzeit, hat Allemann (als Zweite) nun bereits 39 Punkte Rückstand auf Iten. Der hatte sich im Finale aus dem Staub gemacht und gewann mit mehr als fünf Sekunden auf Prost. Dritter war bei der Zieldurchfahrt Ilias Oskanian. Dieser bekam für eine zweite Verwarnung aber eine Fünf-Sekunden-Strafe und fiel so aus den Top 3. Nutzniesser war ein weiterer Allemann – Liam Allemann, der Sohn von Cyndie Allemann, der es damit in seinem ersten Rennen in der autobau Schweizer Kart-Meisterschaft direkt aufs Podium schaffte. So stand am Ende doch noch ein Allemann auf dem Podium der Super Minis. Aus Sicht von Joy halt einfach «nur» ihr Cousin.
Auch in der Kategorie X30 Challenge hätte es beinahe ein «Drama» für die Allemanns gegeben. Leader Dan Allemann blieb nach einem überlegenen Sieg im ersten Vorlauf im zweiten Rennen in Führung liegend stehen. «Ein Pleueldefekt», meinte Vater Ken Allemann und zuckte mit den Schultern. «So ist Motorsport – es kann nicht immer alles funktionieren.» Dan liess sich vom zwischenzeitlichen Rückschlag aber nicht entmutigen. Im Finale fuhr er von Startplatz 5 zurück an die Spitze und gewann damit nach Franciacorta und 7 Laghi bereits seinen dritten Finallauf in diesem Jahr. Zweiter wurde wie schon in 7 Laghi Michael Müller. Der 26-jährige Routinier aus dem Team Virtus Motorsport lässt mit seiner Erfahrung so manchen Jungspund hinter sich. Dass er «Dan the Man» in einem Finale noch nicht bezwingen konnte und dieser nach Levier immer noch 21 Punkte vor ihm liegt, wurmt ihn. Aber er verspricht: «Ich habe ja noch ein paar Rennen Zeit. Irgendwann wird es schon klappen…» Eine starke Leistung bot in Levier auch Nicola Mateo Frigg. Der X30-Rookie sicherte sich in allen drei Läufen Platz 3 – sehr zur Freude seines Teams MH Racing. Nicht ganz nach vorne schafften es Alessio Strollo (4., Spirit), Alexis Genolet (5., LKM) und Gauthier Sanjuan (6., Spirit). Während Genolet eines bessere Ausgangslage in Durchgang 1 nach einer Kollision verspielte, bekam Sanjuan nach dem Finale eine Spoiler-Strafe aufgebrummt. Die warf ihn von P3 auf P6 zurück.
Bei den OK Junioren hätte der dritte Lauf in Levier das Wochenende von Dilan Roman Fricker werden können. Der Fahrer aus dem Team Swiss Hutless liess im ersten Vorlauf überhaupt nichts anbrennen und siegte souverän vor Aaron Buhofer und Alejandro Campos (beide Spirit). Auch im zweiten Rennen gab Fricker den Ton an, fuhr die schnellste Rennrunde, fiel dann aber aufgrund einer defekten Lamelle zurück. Weil ausser ihm auch noch andere Fahrer im zweiten Lauf Probleme hatten, rettete der Berner Platz 5 ins Ziel. Im Finale startete er von Platz 3, überholte die beiden vor ihm liegenden Buhofer und Campos, musste sich aber schliesslich Aurelio Longhitano geschlagen geben. Der vor Levier gemeinsam mit Campos führende OK-Junior hatte bis dato einen rabenschwarzen Sonntag eingezogen. Im ersten Vorlauf schied er aus, weil die Kette kaputt ging, im zweiten Heat hatte er eine Kollision mit Buhofer. Im Finale bewies Longhitano dann aber, dass er auch mit Rückschlägen umgehen kann. Von ganz hinten stürmte er auf Platz 1 und feierte diesen danach zu Recht im Ziel. Trotzdem hat Longhitano im Kampf um die Tabellenführung Boden verloren. Campos liegt bei Halbzeit der Schweizer Meisterschaft mit 26 Punkten vor seinem Teamkollegen. Auf Platz 3 folgt Fricker, der bis auf sieben Punkte an Longhitano herangekommen ist. Irgendwie war es also doch sein Wochenende!
Auch in der Kategorie KZ2 hat es ganz vorne eine Rangverschiebung gegeben. Der vor Levier führende Paolo Castagnetti aus dem Team Gerber Corse hat die zwischenzeitliche Führung an Kilian Boss (Swizz Evenzz) abtreten müssen. Die Ränge 4, 4 und 3 reichten dem im Tessin wohnhaften Familienvater nicht, um die Führung zu verteidigen. Das unter anderem, weil Kilian Boss auf seiner «Heimstrecke» ein fast absolut perfektes Wochenende erwischte. Der Berner, 2023 Young Driver des Jahres, hätte sogar einen «Grand Slam» (Pole-Position, schnellste Rennrunde, drei Laufsiege) aufstellen können. Aber dazu fehlten im Quali zwei Tausendstelsekunden. Um diesen Wimpernschlag schneller war nämlich Bastien Liénard. Der Privatbewerber zeigte in Levier eine ebenfalls meisterhafte Vorstellung und wurde in allen Rennen Zweiter. Damit ist der 27-jährige Fribourger in der Meisterschaft zu einem ebenfalls ernstzunehmenden Titelkontrahenten geworden. Boss’ Führung beträgt nämlich nur elf Punkte auf Castagnetti und 23 auf Lienard. Auch Florian Esteve (aus dem Team DEL motorsports) liegt nach zwei dritten Rängen und einem vierten Finalplatz in Levier immer noch gut im Rennen, wenngleich er seine tadellose Frühform vom ersten Rennen bisher nicht ganz bestätigen konnte. «Kilian fuhr hier saustark», meinte Castagnetti. «Ich mag die Strecke eigentlich auch, aber mein Fahrstil ist nicht so soft, deshalb habe ich da nicht ganz mithalten können. Für Lonato am 12. Juli rechne ich mir wieder bessere Chancen aus.»
Im Rahmenprogramm der autobau Schweizer Kart-Meisterschaft fand in Levier auch der erste Lauf zum Swiss Histo Kart Cup statt. Sieger des Gleichmässigkeits-Wettbewerbes war Dietmar Hasselwander auf einem Swiss-Hutless-Kart von 1990. Der nächste Lauf des SHKC findet bereits am 13. Juni in Lyss/BE statt.
Und so geht es weiter:
12. Juli, Lonato (ITA)
23. August, Cremona (ITA)
10. Oktober, Wohlen
Sie erhalten monatliche News und Events der Auto Sport Schweiz Seite