Robin Faustini fährt in der Schweizer Berg-Meisterschaft weiter von Sieg zu Sieg. In Reitnau beim dritten Lauf sicherte er sich saisonübergreifend seinen inzwischen 18. Triumph in Folge! Bei den Tourenwagen setzte sich «Speedmaster» mit seinem Ford Escort Cosworth souverän durch.
So langsam gehen einem die Superlative aus. Robin Faustini war auch beim dritten Rennen zur diesjährigen Schweizer Berg-Meisterschaft eine Klasse für sich. Der Lokalmatador aus Suhr (AG) verbesserte im ersten Lauf seinen im Vorjahr aufgestellten Streckenrekord um 0,289 sec auf 46,911 sec. Dabei war die Fahrt des zweimaligen Berg-Meisters gar nicht einmal perfekt. «Ich habe schon nach wenigen Metern den linken Bordstein erwischt», meinte Faustini. Dabei hat der Nova NP01 Emap einen ziemlich «Gump» gemacht. «Ich bin aber auf dem Gas geblieben und hatte einfach gehofft, dass nichts kaputt gegangen ist.»
Im zweiten Lauf vermochte Faustini seine Bestzeit nicht mehr zu unterbieten. Die 47,241 sec waren aber ebenfalls nicht von schlechten Eltern. In der Addition der beiden Läufe kam der Führende im Gesamtklassement auf eine Zeit von 1:34,152 min. Damit war er im Vergleich zum Vorjahr knapp vier Zehntelsekunden schneller – und das bei richtig hochsommerlichen Temperaturen. «Mir war schon nach dem ersten Durchgang klar, dass ich im zweiten Lauf meine Zeit nicht mehr verbessern werde», meinte Faustini, der saisonübergreifend seinen 18. Tagessieg in Folge feierte. «Trotzdem bin ich auch mit meinem zweiten Heat zufrieden. Ein Heimsieg in Reitnau, mein dritter in Folge, ist immer etwas ganz Spezielles.»
Wie schon in La Roche kam einer der Zwei-Liter-Piloten Faustinis Zeit am nächsten. Diesmal war es aber nicht Victor Darbellay. Der musste nach dem zweiten Trainingslauf zusammenpacken. Der Walliser hatte im Rechtsknick nach dem Start zwei massive Pflastersteine, die sich aus der Streckenbegrenzung gelöst haben, weil schon zahlreiche Autos darüber gefahren waren, getroffen. «Die beiden Steine haben meine Kühler zerstört», meinte Darbellay angesäuert. Besser erging es Michel Zemp. Der Luzerner, dessen Team Tomac Racing vor Reitnau eine Zusammenarbeit mit Darbellay verkündete, fuhr im ersten Lauf mit 47,533 sec eine neue, um zwei Zehntelsekunden schnellere 2-Liter-Bestzeit. Im zweiten Lauf konnte auch er sich in 48,2 sec nicht mehr steigern, sicherte sich aber souverän den zweiten Platz hinter Faustini. In der Gesamtwertung liegt Zemp nach drei von acht Rennen weiterhin auf Rang 3 – nur drei Punkte hinter Marcel Steiner.
Dieser kam in beiden Läufen nicht an seine Trainingszeit von 49,13 sec heran und musste sich im Aargauischen mit dem dritten Gesamtplatz abfinden. «Beim Bergrennen in La Roche hatte ich zu wenig Traktion», meinte Steiner. «Ich kam dort nicht aus den Kurven heraus. Hier in Reitnau war es ähnlich. Aber das allein ist nicht das Problem. Ich verliere schon am Start wertvolle Zeit gegenüber Robin, der mit einer herkömmlichen Kupplung losfährt.» Unterm Strich fehlt Steiner nach eigenen Aussagen das am Ende entscheidende Vertrauen ins Auto. Aufgeben ist für das Vollgastier aus Oberdiessbach (BE) aber keine Option. «Wir arbeiten weiter daran», verspricht Steiner seinen Fans. «Ich brauche aber dringend mehr Kilometer.»
Im obligaten Niemandsland – zwischen den Prototypen und dem Rest des Feldes – landete einmal mehr Lionel Ryter auf seinem Formel Renault 2.0 auf Rang 4 im SCRATCH. Vier Sekunden fehlten dem Spektakel-Fahrer aus dem Wallis auf Faustini & Co., sechs Sekunden Vorsprung hatte er in Reitnau auf Platz 5. Diesen krallte sich wie schon in La Roche mit «Speedmaster» der schnellste Tourenwagenfahrer. Was der Teamchef der Equipe MB Motorsport aus dem ehemaligen Ford Escort Cosworth von Romeo Nüssli herausholt, verdient Respekt. In 54,809 sec war «Speedmaster» nur 0,9 Sekunden Langsamer als die Rekordzeit von Roger Schnellmann aus dem Jahr 2024, als erstmals nach fünfjähriger Pause in Reitnau wieder gefahren wurde. Apropos Schnellmann: Der Mitsubishi-Pilot hatte sich im Training wie üblich zurückgehalten und packte danach wie schon in La Roche frühzeitig zusammen. «Im zweiten Trainingslauf hatte das Getriebe an meinem Auto selbstständig zwei Gänge heruntergeschaltet, ohne dass wir den Fehler dafür finden konnten. Zwar hat der Motor dabei keinen Schaden genommen, aber aus einer Vorsichtsmassnahme heraus haben wir beschlossen, auf die Rennläufe zu verzichten.»
Mit einer Gesamtzeit von 1:52,9 min war Ludovic Monnier mit seinem VW Golf Rally als Gesamtneunter der zweitschnellste Fahrer mit einem Dach überm Kopf. Der schnelle Mann aus Monthey (VS) war im direkten Vergleich mit seinem Vorbesitzer Danny Krieg um 0,7 Sekunden schneller unterwegs als der Schwyzer beim Rennen in Reitnau 2025. «Ich habe schon einige Anpassungen gemacht», meint Monnier. «Vor allem bei der Elektronik. Für mich ist 2026 ein Lern- und Testjahr. Dass es von Rennen zu Rennen immer besser läuft, freut mich natürlich.»
Hinter Monnier landete Christoph Zwahlen mit seinem Porsche 911 auf Platz 10 des Gesamtklassements. Direkt dahinter sicherte sich Markenkollege Bruno Sawatzki zum dritten Mal in Folge volle Punktzahl für die Meisterschaft. Noch dazu gab es zwei Extrapunkte für einen neuen Interswiss-Rekord. Dieser liegt nun bei 56,205 sec. Der Rheintaler führt nach drei Rennen die Meisterschaft bei den Tourenwagen souverän an. Wie einst Ex-Formel-1-Weltmeister Alain Prost ist auch Sawatzki ein kalkulierender Pilot. «Mit Blick auf die Meisterschaft muss ich bei den nächsten Rennen in erster Linie meinen Vorsprung verwalten, sauber fahren und immer ein Auge auf den schnellen Stephan Burri werfen. Wenn ich das Gefühl habe, ich kann angreifen und einen neuen Rekord fahren, dann werde ich das aber auch tun – so wie jetzt am Wochenende in Reitnau.»
Apropos Rekord: Neue Streckenbestzeiten haben in Reitnau auch der Sergio Kuhn in seinem Peugeot 308 TCR (Div. VII), Pierre Mürner auf Porsche 992 GT3 (SuperSérie, Div. I) und Thomas Ruesch auf Honda Civic (Gruppe A) aufgestellt.
Alle Klassensieger in Reitnau entnehmen Sie der Übersicht: Thomas Ruesch (Honda Civic Type R, A/ISA/R2/R3), Emeric Betticher (Toyota GR Yaris, SuperSérie Comp. bis 3000 cm3), Pierre Mürner (Porsche GT3, Super Série Comp. bis 3500 cm3), Armin Buschor (BMW 320, Gr. H Tourenwagen bis 2000 cm3), Alain Pfefferlé (Porsche 911 RSR, Gr. H Tourenwagen über 2000 cm3), Markus Brander (Gr. H Rennwagen bis 1600 cm3, March Formel 2), Sergio Kuhn (Peugeot 308, TCR), Hanspeter Thöni (Peugeot 106, PSA Gr. N), Jürg Brunner (Renault Clio 2, RCC), Thomas Zürcher (Renault Clio 3, RCC), Hans-Ulrich Seifert (VW Polo, E1 bis 1400 cm3), Hans-Peter Eller (Opel Kadett C, E1 bis 1600 cm3), Ludovic Monnier (VW Golf Rally, E1 bis 2000 cm3), Jonas Magnin (Honda Civic, E1 bis 2500 cm3), Hermann Bollhalder (Opel Speedster, E1 bis 3000 cm3), Bruno Ianniello (Lancia Delta S4, E1 bis 3500 cm3), «Speedmaster» (Ford Escort Cosworth, E1 über 3500 cm3), Andreas Helm (VW Polo, IS bis 1400 cm3), Martin Howald (VW Golf, IS bis 1600 cm3), Stephan Burri (VW Scirocco, IS bis 2000 cm3), Roman Marty (Opel Kadett C GT/E, IS bis 2500 cm3), Marco Marte (BMW M3, IS bis 3000 cm3), Dominic von Rotz (Audi A4 Quattro, IS bis 3500 cm3), Bruno Sawatzki (Porsche 991.1 Cup, IS über 3500 cm3), Christian Müller (Formel BMW, E2-SS bis 1600 cm3), Lionel Ryter (Formel Renault, E2-SS bis 2000 cm3), Markus Bosshard (Dallara GP3, E2-SS bis 3000 cm3), Antonino Scolaro (E2-SC bis 1600 cm3), Michel Zemp (Norma M20, E2-SC bis 2000 cm3), Robin Faustini (Nova NP01, E2-SC bis 3000 cm3).
In der REGionalen Klasse war Patrick Jakober (VW Golf) mit einer Gesamtzeit von 1:59,052 min der Schnellste. Knapp dahinter folgten Roger Hürzeler (Opel Kadett) und Claudio Grispino (Renault 5 Williams).
Und so geht es weiter:
25./26. Juli, Ayent – Anzère*
14.-16. August, St.Ursanne – Les Rangiers
29./30. August, Oberhallau*
12./13. September, Gurnigel
19./20. September, Châtel-St-Denis – Les Paccots
* zählen zur Schweizer Junior-Meisterschaft
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