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27.12.2019 Cédric Betschen: «Ich war völlig ahnungslos!»
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Cédric Betschen: Schweizer Rallyepokal-Sieger 2019

Teil 8 unserer Serie «Die Schweizer Meister im Porträt»:

Cédric Betschen gewann 2019 mit Ehefrau und Co-Pilotin Mirjam in der ersten kompletten Saison den Schweizer Rallyepokal. Ein Erfolg, den er sich vor zehn Jahren nicht hätte vorstellen können.

Wenn sich Cédric Betschen (31) an seine Anfänge im Automobilsport erinnert, muss er selber lachen. Leidenschaft und Improvisationskunst haben ihn über Wasser gehalten. Von einer professionellen Einstellung war der gebürtige Lausanner so weit entfernt wie Greta Thunberg vom Kauf eines Ferrari. «Bei meinem ersten Slalom 2007 in Carouge bin ich mit dem Auto angetreten, mit dem ich auch zur Arbeit fuhr», erzählt Betschen. «Mit dabei hatte ich meinen Moped-Helm. Ich war völlig ahnungslos. Ich war zuvor noch nie auf einer Rundstrecke – nicht mal als Zuschauer.»

Betschens Leidenschaft galt seit jeher dem Rallyesport. Sein Vater schleppte ihn und seinen älteren Bruder in jungen Jahren zu Rallyes mit. Anfangs konnte Klein-Cédric nicht viel damit anfangen. Die Wartepausen nervten; «insbesondere, wenn es kalt war». Trotzdem war er vom Virus befallen. «Ich schwor mir, dass ich eines Tages auch Rallye fahren werde», sagt Betschen, der sich vor Jahren vom Schreiner zum Lokführer bei der SBB umschulen liess.

Nach ersten Erfahrungen im Slalom und 2008 am Berg war es 2009 dann soweit: Betschen bestritt seine erste Rallye. Dass die Wahl auf die «Chablais» fiel, überrascht nicht sonderlich. Betschen hat entlang einer Wertungsprüfung hoch nach Les Diablerets für eine gewisse Zeit gewohnt. Er kannte das Terrain. Und doch war alles neu für ihn. «Ich habe über den Winter alle Reglemente gelesen», sagt Betschen, «um wenigstens in der Theorie zu wissen, wo es langgeht.» Das Fahren an sich war eine andere Geschichte. Mit gebrauchten Reifen und dem Cousin auf dem Beifahrersitz endete die Rallye irgendwann im Graben. «Danach haben wir ein Jahr gebraucht, um das Auto wieder aufzubauen.»

2010 gab Betschen bei der «Chablais» sein Comeback. Diesmal mit seinem Vater als Beifahrer. Und mit einer imaginären Bremse im Kopf. «Ich wusste, dass ich nicht wieder abfliegen durfte. Einen weiteren Schaden konnte ich mir nicht leisten. Deshalb nahm ich es etwas gelassener.»

Bei jeder Rallye lernte Betschen dazu. An kleinen Erfolgen hielt er sich fest. Zu Beginn der Saison 2014 wechselte er erneut den Beifahrer: Ab sofort nahm seine Frau Mirjam den Platz an seiner Seite ein. Von da an ging es steil bergauf. «Bei der Rallye du Chablais 2015 hatten wir zum ersten Mal neue Reifen», grinst Betschen. «Das hat einen enormen Unterschied gemacht. Anfangs dachte ich, dass sich das Auto auf den neuen Sohlen gar nicht bewegt. Doch dann begriff ich, dass ich anders fahren musste, weil ich viel mehr Grip hatte. Plötzlich waren wir sehr viel schneller.»

Mit seiner Frau an Bord klappt die Zusammenarbeit bestens. Unstimmigkeiten gäbe es keine. Doch wie überzeugt man seine Frau, sich als Co-Pilotin auf den Beifahrersitz zu setzen? «Mirjam war schon vor ihrer aktiven Zeit dabei – als Zuschauerin. Und ich habe daheim wohl so viel über das Rallyefahren geredet, dass sie eines Tages gesagt hat, ich setze mich daneben.» Seither wird im Hause Betschen fast nur noch über Rallye gesprochen. «Ich empfinde es im Rallyesport als Vorteil, wenn man sich gut kennt», sagt Cédric. «Rallyefahren hat viel mit Vertrauen zu tun. Deshalb habe ich immer auf Co-Piloten aus meiner Verwandtschaft gesetzt. Mit Mirjam ist vieles noch einfacher geworden. Wir können immer und überall die nächste Prüfung oder einen Aufschrieb besprechen.»

Einen grossen Schritt in Richtung ambitioniertem Rallyefahrer gelang Betschen 2016, als er die Schweizer Junioren-Meisterschaft in Angriff nahm. «Ich war erstmals in einem Team. Und das hat mir in vielen Belangen geholfen.» Unter anderem auch: einen Unfall wegzustecken. «Es war wieder bei der Chablais», sagt Betschen. «Wir waren gut unterwegs, als ich in eine Fahrrinne kam. Ich konnte nicht mehr korrigieren und wir wurden an einem Baum ausgehebelt und landeten kopfüber.»

2017 konnte Betschen aufgrund seines Alters nicht mehr bei den Junioren fahren. Dafür leistete er sich einen hubraumstärkeren Renault Clio R3 Maxi. «Mit dem konnte ich ohne Druck fahren.» Zur selben Zeit machte er sich Gedanken, was mit seinem ursprünglich erworbenen Clio passieren sollte. «Ich hatte zwei Optionen: ihn verkaufen oder ihn nochmals flott machen. Ich entschied mich für Letzteres.»

Die Entscheidung war richtig. Obwohl Betschen 2018 auf Druck von Ehefrau Mirjam auch einmal mit dem R3 Maxi ausrückte (P8 bei der Chablais), setzte Cédric für 2019 alle Jetons auf seinen Ur-Clio – und gewann damit den Schweizer Rallyepokal. «Wir haben in diesem Jahr zum ersten Mal eine komplette Saison absolviert», sagt Betschen. «Da ist ein solcher Titelgewinn natürlich eine besondere Genugtuung.» Wie es weitergeht, ist noch offen. Bei einem Test mit einem Citroën DS3 hat Betschen R5-Luft geschnuppert. Doch die Mittel, um Rallyes damit zu bestreiten, hat er nicht. «Wir werden wohl für die eine oder andere Rallye etwas mieten», sagt Betschen. Auf seinen Clio kann er nicht mehr zurückgreifen. Wie viele berühmte Meisterautos wurde auch dieses kurz nach seinem letzten Einsatz verkauft.

Cédric Betschen
Titel: Schweizer Rallyepokal-Sieger
Alter: 31
Herkunft: Reconvilier (BE)
Fahrzeug: Renault Clio N3

2007 Erste Slaloms
2008 Erste Bergrennen
2009 1. Rallye (Chablais) mit Renault Clio N3
2010-2015 Diverse Rallyes mit Renault Clio N3
2016 Schweizer Junior-Rallyemeisterschaft mit Peugeot 208 R2
2017 Schweizer Rallye-Meisterschaft mit Renault Clio R3 Maxi
2018 Schweizer Rallye-Meisterschaft mit Renault Clio R3 Maxi und N3
2019 Schweizer Rallyepokal-Sieger auf Renault Clio N3

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