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14.04.2020 Edoardo Mortara: «Ich wurde mit Eiern beworfen!»
Mortara 02 Motorsport Schweiz | Auto Sport Schweiz
Edoardo Mortara: Der momentan erfolgreichste Schweizer in der Formel E

Edoardo Mortara ist in der Formel E 2019/2020 der bisher konstanteste Schweizer Pilot. Im Interview mit ASS spricht er über sein Team Venturi, das Restprogramm und das für ihn so enttäuschende Rennen in Bern von vor einem Jahr.

Wie schwer fällt es dir, Zuhause zu bleiben und nicht Rennen fahren zu können?
Edoardo Mortara:
Es ist schwierig. Der Rennsport fehlt mir. Aber die Situation ist sehr aussergewöhnlich. Und teilweise ja auch dramatisch. Gleichfalls hoffe ich, dass wir bald wieder zur Normalität zurückkehren.

Du hattest immerhin das Glück, dass du noch drei Rennen 2020 absolvieren konntest. Wie ist es dir im bisherigen Verlauf der Formel-E-Saison ergangen?
Es ist soweit ganz gut gelaufen. Bis auf das Rennen in Chile war ich stets in den Punkten. Dort haben wir eine Top-5-Platzierung verspielt. Das ist schade. Man darf aber auch nicht vergessen, dass es die erste Saison für Venturi als Mercedes-Kundenteam ist. Es ist noch viel Potenzial vorhanden und ich hoffe, dass wir in der zweiten Saisonhälfte einen noch stärkeren Eindruck hinterlassen können.

Täuscht der Eindruck oder hast du deinen Teamkollegen Felipe Massa locker im Griff? Bei den Punkten steht es 32:2 für dich.
Felipe hatte zu Beginn ein paar Probleme. Aber wir wissen alle, dass er ein ausgezeichneter Fahrer ist. Und in der Formel E kann sich das Blatt rasch wenden. Man sollte da nicht zu schnell ein Urteil fällen. Ausserdem konzentriere ich mich auf meinen Teil des Jobs und nicht so sehr, was links und rechts geschieht.

Venturi ist das Mercedes-Kundenteam. Freut es dich besonders, dass du des Öfteren vor den Werksfahrern liegst?
Es ist nicht unser primäres Ziel, das Werksteam zu schlagen. Wir wollen gewinnen. Und das bedeutet, dass wir alle Konkurrenten bezwingen müssen. Sicher freut es einen, wenn man vor dem Werksteam liegt. Das beweist, dass man gute Arbeit macht. Aber das allein ist nicht matchentscheidend.

Das Restprogramm der Formel E sieht noch Rennen in Berlin, New York und London vor. Die stehen wegen der Corona-Krise aber alle auf der Kippe. Hast du eine Ahnung, wo und wie die letzten Rennen der verkürzten Saison 2019/2020 stattfinden sollen?
Da ist noch nichts entscheiden. Rennen in London und in New York kann ich mir im Moment nicht vorstellen. Ich finde, wenn sich die Lage wieder normalisiert, sollten wir uns Gedanken machen, wie die Saison weitergeht. Es gibt auch Pläne, die Saison in Asien, beispielsweise in Seoul, ausklingen zu lassen.

Was denkst du über eine Rückkehr der Formel E in die Schweiz? Ein Heimrennen am Genfersee wäre für dich doch eine tolle Sache. Bist du da aktiv involviert?
Nein. Natürlich habe ich von geplanten Rennen in Genf oder Lausanne gehört. Aber ich weiss nicht, was Stand der Dinge ist. Und ob diese Diskussionen noch weitergeführt worden sind. Die beiden Rennen, die wir in der Schweiz ausgetragen haben, sind ja sehr unterschiedlich verlaufen. Zürich war sehr gut. Obwohl es da im Vorfeld auch Stimmen gegen die Veranstaltung gab. Bern dagegen war für mich persönlich ein Desaster. Es war für mich sehr beschämend, wie sich da eine Gruppe von Leuten verhalten hat. Sie haben Werbebanden mutwillig zerrissen. Und kurz vor dem Qualifying wurde ich sogar mit Eiern beworfen. So etwas habe ich noch nie erlebt. Ich weiss, dass es eine Minorität war – ein paar Chaoten, die sich neben der Spur benommen haben. Aber sie haben es geschafft, den Anlass zu sabotieren. Ich habe mich in Bern nicht wohl gefühlt. Und ich hoffe, dass wir dort nie mehr fahren.

Du hast eine beeindruckende Karriere absolviert: Formel-3-Meister, DTM-Vizemeister, Rekordsieger in Macau – hast du den Eindruck, dass du das Maximum herausgeholt hast?
Ja, ich bin eigentlich sehr zufrieden, mit dem was ich im Rennsport bis heute erreicht habe. Hätte ich hie und da anders entschieden, wäre vielleicht noch mehr möglich gewesen.

Bedauerst du es manchmal, dass du es nie zum Stammfahrer in der Formel 1 geschafft hast?
Nein, nicht wirklich. Ich bin seit mehr als zehn Jahren Profi. Und ich hoffe, dass ich noch ein paar gute Jahre vor mir habe. Als Kind habe ich auch von der Formel 1 geträumt. Aber um dorthin zu gelangen, müssen viele Faktoren stimmen. Ohne haufenweise Geld und/oder einen Hersteller im Rücken, der dir in Form eines Juniorenprogramms weiterhilft, hast du keine Chance.

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