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15.06.2020 Ein ganz neues Fahrgefühl
Grand Osella Neu 01 Motorsport Schweiz | Auto Sport Schweiz
Der Osella PA21 JRB von Joël Grand

Die AUTOMOBIL REVUE hat in den vergangenen Wochen mit ihrer Serie «Rennwagen-Porträt» für Aufsehen gesorgt. Wir von Auto Sport Schweiz sind stolz, dass wir die Werke der beiden Autoren Werner Haller und Olivier Derard auch bei uns veröffentlichen dürfen. Teil 5: Der Osella PA21 JRB von Joël Grand.

Heute fährt Joël Grand im Prototyp Osella PA21 JRB. Bekannt wurde der Rennfahrer aus Chalais (VS) aber für seine Einsätze im Formel-Master-Monoposto: «Vor zwei Jahren mietete ich einen Formel Master von Roland Bossy – bis er das Auto verkaufte. Für mich war klar, dass ich nicht plötzlich ohne Cockpit dastehen wollte, deshalb habe ich mich auf die Suche nach einem neuen Auto gemacht. Fündig wurde ich schliesslich Anfang 2018 im Tessin, mit einem Auto, das schon einige Zeit in einer Garage herumstand. Roland machte es wieder renntauglich, ansonsten sind wir aber ohne weitere Modifikationen an den Start gegangen und haben die ganze Saison 2018 damit bestritten. Aber der Motor zeigte bald einmal Ermüdungserscheinungen, ebenso wie das Chassis. Deshalb mussten wir im Winter 2018/19 das ganze Fahrzeug inklusive Motor komplett zerlegen und neu aufbauen. Das Auto war danach wirklich so gut wie neu.»

Und trotzdem, das mechanische Facelifting reichte nicht aus: «Bereits kurz nach dem Saisonstart häuften sich die technischen Probleme, siehe die Bergrennen Hemberg, Reitnau und Massongex. Das Rennen St-Ursanne–Les Rangiers verlief sehr gut, aber ich habe trotzdem gemerkt, dass ich das Auto loswerden muss, weil es einfach zu teuer war. Ich bot also das Fahrzeug zum Verkauf an und machte mich gleichzeitig auf die Suche nach einem neuen. Ich wollte natürlich nichts, das weniger konkurrenzfähig gewesen wäre, weshalb ich angefangen habe, die Autos aus Italien und Frankreich anzuschauen. So bin ich schliesslich auf Osella gestossen. Einer mit einem Dreiliter-V8-Motor war ausgeschlossen, da ich mir das nicht hätte leisten können. Aber ich konnte mir einen Osella mit einem Motorradmotor leisten, der genau gleich viel Leistung hatte wie der Master.»

Grand Portrait Motorsport Schweiz | Auto Sport Schweiz
Joël Grand: 2019 war er noch mit dem Formel Masters unterwegs

«Ich wusste, dass Berg-Europameister Christian Merli einen zum Verkauf anbot. In der Zwischenzeit hatte ich mich aber auch schon mit Herrn Osella höchstpersönlich unterhalten, und er hatte mir versichert, dass ich mit dem PA21 JRB genauso schnell, wenn nicht sogar noch schneller unterwegs sei als bisher mit dem Master. Also kaufte ich Christian das Auto kurz vor dem Rennen in Les Paccots ab. Weil das Auto einsatzbereit war, habe ich mich direkt für das letzte Rennen der Saison eingeschrieben», erzählt der Walliser. Sogar die Abstimmung des Fahrzeuges liess Grand unverändert. Erst nach und nach stimmte er gemeinsam mit Roland Bossy das Auto auf seinen Fahrstil ab. «Roland kennt mich sehr gut, und er kennt das Setup, mit dem ich gerne fahre. So konnte ich meine Laufzeiten während des Wochenendes konstant erbessern und drückte sie bis auf 1:02 Minuten, was für ein Auto mit Motorradmotor wirklich sehr schnell ist. Das ist schneller, als je jemand zuvor mit einem solchen Motor unterwegs gewesen ist.»

Aber es handelt sich ja auch nicht um irgendeinen Motor. «Das 1000-cm3- Triebwerk stammt aus einer BMW S 1000 RR. Es leistet gut 205 PS und dreht bis 14 000U/min hoch. Der Motor wurde komplett unverändert belassen. Natürlich hat mir die Tuningschmiede LRM angeboten, den Motor so zu bearbeiten, dass er noch 30 PS mehr leistet. Das können wir gerne, aber schrittweise. Erst muss ich mich an das neue Auto gewöhnen, das doch ein ganz anderes ist als sein Vorgänger.» Seit dem letzten Lauf der Schweizer Bergmeisterschaft 2019 hat Joël Grand keine einzige Schraube an seinem neuen Auto verändert. «Das einzige, was wir gemacht haben: das Aussehen des Autos verändert. Es ist jetzt mit einem blauen Aufkleber versehen – das ist also kein Lack am Auto.» Aber der Walliser sieht doch noch einiges an Potenzial für langfristige Entwicklungen an seinem Auto: «Der Vorteil meines Osella-Chassis ist, dass man auch andere Motoren einbauen kann, beispielsweise den Dreiliter-V8. Aber ich werde sicher zuerst eine ganze Saison mit dem Auto antreten, wie es derzeit hier steht. Ich habe es nicht eilig. Im Moment habe ich Zeit.»

OSELLA PA21 JRB
Baujahr: 2018
Karosserie: Prototyp PA21 JRB
L x B x H mm: 4050 x 1900 x 1100
Radstand mm: k. A.
Gewicht kg: 380
Motor: BMW S 1000 RR, 999 cm3
Leistung PS: ca. 205
0–100 km/h sec: unter 4
Höchstgeschwindigkeit km/h: je nach Übersetzung
Fahrwerk: Faserkarosserie, Karbon- und Rohrrahmen

AR #18, 30. April 2020, Autor: Olivier Derard, www.automobilrevue.ch

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