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20.03.2020 Eine Dart-Scheibe als Zeitvertreib
Scherer Mueller Motorsport Schweiz | Auto Sport Schweiz
Die Schweizer DTM-Piloten: Fabio Scherer und Nico Müller © Jürg Streun

Wegen Corona kommt der Rennbetrieb weltweit zum Erliegen. Betroffen davon sind auch die beiden Schweizer DTM-Piloten Nico Müller (28) und Fabio Scherer (20). Auto Sport Schweiz hat die beiden gefragt, wie sie mit der Situation umgehen?

Für Nico Müller ist es die siebte Saison in der DTM. Für Fabio Scherer die erste. Einen grossen Unterschied macht es für keinen der beiden. Sie würden beide am liebsten sofort ins Auto steigen. Doch die weltweite Ausbreitung des Corona-Virus verhindert nicht nur den Saisonauftakt, sondern beeinträchtigt auch eine normale Vorbereitung.

Für gewöhnlich hättet ihr heute euren offiziellen ITR-Test in Hockenheim abgeschlossen. Stattdessen seid ihr Zuhause und könnt nur hoffen, dass die Saison irgendwann doch noch losgeht. Wie vertreibt ihr euch die Zeit?
Fabio Scherer: Ich gehe nach wie vor zur Arbeit. Da läuft im Moment noch alles wie gehabt. Der Rest der Zeit verbringe ich mit Training.
Nico Müller: Ich habe die letzten zehn Tage mehr trainiert als sonst. Und ich habe mit meiner Freundin deutlich mehr Freizeit, als ich es für den März geplant hatte.

Habt ihr eure Trainingseinheiten demnach nicht runtergefahren?
NM: Nein. Und bei dem Wetter macht das Training draussen ja auch doppelt Spass.
FS: Ich auch nicht – im Gegenteil. Weil man eingeschränkter ist, trainiere ich im Moment eher mehr. Vieles geht als Rennfahrer ja problemlos alleine. Und ich habe die nötigen Einrichtungen auch daheim oder bei meinem privaten Betreuer. Zurzeit muss ich nur aufs Kart- und Skifahren verzichten. Als Alternative habe ich mir eine Dart-Scheibe bestellt.

Wie steht ihr mit euren Teams in Kontakt?
NM: Team hatte viel Aufbauarbeit für den ITR-Test geleistet. Da dieser abgesagt wurde, ist nun nicht sehr viel los. Aber dank moderner Kommunikationsmöglichkeiten tauschen wir uns regelmässig aus. Es gibt immer etwas zu bereden.
FS: Auch wir stehen in regelmässigem Kontakt. Doch die Situation ist schon eigenartig. Bei mir im Team arbeiten einige Franzosen. Die dürfen nicht mal mehr ins Werk zu WRT nach Belgien reisen.

Habt ihr Hausaufgaben von euren Teams gekriegt?
NM: Nicht Woche für Woche. Aber man analysiert halt die Daten, die man noch gesammelt hat.
FS: Hausaufgaben würde ich so nicht sagen. Aber ich studiere immer wieder die Daten. Sei es vom ersten Test in Jerez oder von meinem letzten Einsatz im Simulator.

Ist mit der nötigen Vorsicht wenigstens noch ein Simulator-Testprogramm möglich?
FS: Im Moment leider nicht.
NM: Das ist so. Ich bin deshalb gerade dabei, einen Simulator bei mir Zuhause aufzubauen. Dann habe ich wenigstens etwas Rennfeeling.

Nicos DTM-Rennwagen für 2020 wurde kürzlich vorgestellt. Wie schaut dein Wagen aus, Fabio?
FS: Wäre alles normal gelaufen, hätten wir am 9. April bei WRT in Belgien mein Auto vorgestellt. Dieser Termin ist jetzt natürlich verschoben worden. Ich kann nur so viel sagen: Meine bisherigen Sponsoren sind weiterhin auf dem Auto.

Mueller DTM 2020 Motorsport Schweiz | Auto Sport Schweiz
Immer noch grün: Nico Müllers Audi RS5 für die Saison 2020

Ist es denkbar, dass die Saison irgendwann anfängt, ohne dass ihr vorher testen könnt?
FS: Ich hoffe nicht, dass es soweit kommt. Aber wenn’s denn halt so ist, gebe ich mein Bestes. Die Basis, die wir beim Jerez-Test im Dezember gelegt haben, stimmt mich jedenfalls zuversichtlich.
NM: Es ist denkbar, dass es ohne Tests losgeht. Für einen Rookie wie Fabio wäre das natürlich nicht so cool. Aber man darf nicht vergessen: Wir wären beim ITR-Test auch nur ca. eineinhalb Tage im Auto gesessen. So gesehen macht das nicht einen enormen Unterschied.

Welche Bedeutung hat es für euch, dass erstmals seit 2003 (Fässler/Menu) wieder zwei Schweizer in der DTM 2020 fahren?
NM: Ich finde das super. Und ich freue mich für Fabio. Sein Team hat im Vorjahr bewiesen, wie konkurrenzfähig es ist.
FS: Für den Schweizer Motorsport ist das grossartig. Und es ist tatsächlich eine Weile her, dass zwei Schweizer in der DTM gefahren sind. Damals war ich vier Jahre alt…

Wenn ihr euch gegenseitig in drei Sätzen charakterisieren würdet, was käme dabei heraus?
NM: Schwierige Frage – Fabio ist ein sehr ehrgeiziger Rennfahrer. Was mir an ihm gefällt: Er ist ein Vollblut-Sportler. Was er macht, macht er mit Leidenschaft. Und einer Portion Verrücktheit. Letzteres meine ich – ganz im Ernst – im positiven Sinn.
FS: Nico ist schnell. Er ist menschlich ein toller Kerl. Und er hat sich in der DTM voll etabliert. Ich kann mich noch erinnern, dass er mich bewertet hat, als ich bei der Young Driver Challenge teilgenommen habe. Ich glaube, das hat er ganz gut gemacht, auch wenn keiner von uns damals damit gerechnet hätte, dass wir eines Tages in der DTM gegeneinander fahren.

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