Eric Jordan (55) ist Präsident der AOR, der Schweizerischen Vereinigung der Rallye-Veranstalter und Mitglied im Komitee Rallye. Als solcher nimmt er zu den wichtigsten aktuellen Fragen rund um die Schweizer Rallye-Meisterschaft Stellung.
Du bist Mitglied des Komitee Rallye, Präsident der AOR sowie Veranstalter der Rallye du Chablais. Erklär unseren Lesern doch mal, was du in diesen Positionen zu tun hast?
Eric Jordan: Die Funktion des Präsidenten der AOR ist symbolisch; es handelt sich um einen «Freundeskreis», der die Rallye-Veranstalter zusammenbringt. Die AOR hat keine Entscheidungsbefugnis. Bei unseren Sitzungen tauschen wir Ideen und Erfahrungen aus und versuchen, uns abzustimmen, um dem Komitee Rallye Vorschläge zu unterbreiten. Als Veranstalter der Rallye du Chablais kümmre ich mich um die Organisation. Das ist bei einer Rallye sehr komplex. Wir haben das Glück, in der Region gut verankert zu sein. Und wir haben über die Jahre ein Vertrauensverhältnis zu unseren Partnern aufbauen können. Die Rolle des Organisationspräsidenten der Rallye du Chablais ist vielfältig. Sie erstreckt sich über das ganze Jahr und nimmt einen Grossteil meiner Freizeit in Anspruch, da wir alle diese Aufgaben neben unseren beruflichen Tätigkeiten ehrenamtlich wahrnehmen. Meine Hauptaufgaben bestehen darin, eine Strecke festzulegen, Finanzierungen und Sponsoren zu finden und regelmässige Kontakte zu den kommunalen, kantonalen, militärischen und polizeilichen Behörden zu pflegen. Im Weiteren geht es darum, die Mitglieder der Komitees und die Verantwortlichen der 45 Ressorts zu motivieren und zu unterstützen. Man muss alles im Blick behalten und versuchen, so viel wie möglich zu delegieren. Die Mitglieder des Exekutivkomitees unterstützen mich bei all diesen Aufgaben sehr.
Die letzten Jahre haben einen Trend aufgezeigt: Die Rallye du Chablais und die Rallye du Valais sind in Sachen Teilnehmende die beiden klar führenden Rallyes in der Schweiz. Im Jura und im Tessin ist die Zahl der Teilnehmenden eher rückläufig. Woran liegt das?
Im Vergleich zu den 2000er-Jahren ist ein allgemeiner Rückgang der Teilnehmerzahlen zu verzeichnen. Das gleiche Phänomen ist, von wenigen Ausnahmen abgesehen, auch in den Nachbarländern zu beobachten. Dies ist auf einen Mentalitäts- und Wahrnehmungswandel bei jungen Menschen zurückzuführen: Mit 18 Jahren hat Autofahren für sie nicht unbedingt Priorität. Ausserdem gibt es heute viel mehr Freizeitaktivitäten, und der Motorsport ist finanziell und zeitlich sehr aufwändig. Die Fahrer sind zu Dienstleistern geworden und immer weniger zu Mechanikbegeisterten.
Es gibt kaum noch Teams, die die komplette Schweizer Rallye-Meisterschaft bestreiten (2025 waren es drei Rally2-Teams), obwohl man seit 2025 nur noch fünf Rallyes austrägt, um so die Kosten in Grenzen zu halten. Warum ist das so?
Proportional gesehen ist es in der französischen und italienischen Meisterschaft genauso. Von allen Teams nimmt nur eine Minderheit an der Meisterschaft teil. Das ist natürlich in erster Linie eine Frage der Finanzen. Die Mehrheit wählt unter Berücksichtigung des Budgets und der verfügbaren Zeit ein, zwei oder drei Rallyes aus. Die Teams wollen in erster Linie Spass haben, bevor sie einen Titel anstreben.
Wie siehst du die Zukunft des Schweizer Rallyesports?
Wir haben das Glück, dass es Veranstaltungen gibt, die schon seit langem bestehen und in ihrer Region fest verankert sind. Solche Veranstaltungen sind aus sportlicher, touristischer und wirtschaftlicher Sicht interessant. Und solange es engagierte und leidenschaftliche Leute gibt, die sie organisieren, Freiwillige, die sich einbringen, und Teams, die verstehen, wie wichtig es ist, daran teilzunehmen, bin ich ziemlich zuversichtlich für die Zukunft. Heute wäre es sehr schwierig, eine neue Rallye zu starten oder wiederzubeleben. Und noch schwieriger ist es, neue Organisatoren zu finden, die sie auf die Beine stellen!
Was muss/kann für den Rallye-Nachwuchs gemacht werden?
Da es in der Schweiz keine Marken-Meisterschaft mehr gibt und die Importeure nicht wirklich über eine Motorsportabteilung verfügen, ist es schwierig, Lösungen für Junioren zu finden. Auch hier geht es wieder um die Frage der Verhältnismässigkeit im Verhältnis zur Gesamtzahl der Lizenznehmer. Die ganz jungen Kartfahrer wenden sich eher dem Formelsport zu. Man müsste sie mit einer Kategorie leistungsstarker und wirtschaftlicher Autos im Rahmen einer Trophäe mit Prämien anlocken. Ohne kohärente Preisgelder wird es sehr schwierig sein, junge Menschen zu motivieren. Es finden Gespräche mit internationalen Trophäen statt, bisher jedoch ohne Erfolg.
Du bist auch verantwortlich für die E-Rallye du Chablais. Ist diese Art von Rallye die Zukunft oder wird es ein Nischenprodukt bleiben?
Unter dem Label «E-Rallye du Chablais» wollten wir alle Fahrzeuge mit alternativen Antrieben zusammenfassen. Ob man dafür oder dagegen ist, spielt keine Rolle. Das Ziel ist es, alle Arten von Antrieben nebeneinander fahren zu lassen, so wie es auch auf den Strassen im Alltag der Fall ist. Ich persönlich glaube fest an synthetische Kraftstoffe. Ich hoffe, dass sich dieser Markt in Zukunft weiterentwickeln wird.
Anm.: Das Interview ist Mitte März im Magazin von Auto Sport Schweiz erschienen.
Sie erhalten monatliche News und Events der Auto Sport Schweiz Seite