In der Schweizer Berg-Meisterschaft kommt in diesem Jahr ein geschichtsträchtiges Auto zum Einsatz, das einst vom ehemaligen GP-Haudegen Jean Alesi (61) gefahren wurde. Am Steuer: Frédéric Fleury.
Die Story klingt witzig. Und sie hat sich auch tatsächlich so zugetragen. Der Martini MK52-BMW war schon einmal im Besitz von Frédéric Fleury. Der 37-jährige Jurassier hatte das Auto Anfang 2024 an den französischen Bergrennfahrer Sébastien Brisard verkauft. Als die Tinte unterm Vertrag trocken war, hat ihm dieser gesagt, dass der Wagen einst von seinem Landsmann Jean Alesi gefahren wurde. Nicht dass das den Wagen um ein Vielfaches teurer gemacht hätte, «aber im ersten Moment habe ich mich schon etwas geärgert», sagt Fleury augenzwinkernd.
Der ehemalige französische Formel-1-Rennfahrer Jean Alesi (1989-2001) fuhr den Martini 1987 in der französischen Formel 3 für das Team Oreca. Der leicht explosive Franzose mit sizilianischen Wurzeln war mit dem französischen Chassis aber nicht zufrieden und verlangte nach nur drei Rennen einen Dallara. Mit diesem wurde er am Ende des Jahres französischer F3-Meister. Der Martini wurde danach zur Seite gestellt und ging 1989 in den Besitz von Nani Nerguti († 2016) über. Der französische Bergrennfahrer verpasste ihm nicht nur das Design in den legendären Farben des Mineralölherstellers Yacco, er baute ihn auch zu einem Formel-2-Auto mit BMW-Motor um.
Danach ging das Fahrzeug durch diverse Hände – u.a. war es auch einmal im Besitz des Walliser Rennfahrers Yann Pillonel. Bis es über Fleury eben bei Brisard landete, der mit diesem Auto 2024 die französische VHC-Berg-Meisterschaft gewann. Heute steht der Wagen, der von einem frisch revidierten BMW M12-7 angetrieben wird, wieder bei Fleury in der Werkstatt – und dieser kann es kaum abwarten, ihn endlich selber zu bewegen. Wenn alles klappt, dürfte Fleury seine neue Errungenschaft erstmals in La Roche in der historischen Klasse den Berg hochjagen. Beim Bergrennen in Reitnau soll er – im Rahmen einer «BMW-Show» – dann Demofahrten absolvieren. Auch am Gurnigel will Fleury starten. Und natürlich beim Heimrennen in Les Rangiers. Dort würde der Filius gerne seinen Vater ans Steuer lassen. «Mein Dad hat 1976, also vor 50 Jahren, seine Rennlizenz erworben», sagt Frédéric. «Deshalb würde ich ihn gerne sein Lieblingsrennen in meinem Auto fahren lassen.»
Seinen Dallara F302, mit dem Fleury im Vorjahr in Les Rangiers und am Gurnigel aufs Podium der 2-Liter-Formelautos fuhr, wird übrigens auch 2026 am Start stehen. Der Fribourger Hervé Villoz (47) hat das Formel-3-Auto von Fleury übernommen. «Für mich wird das ein Lernjahr werden», sagt der ehemalige Renault-Clio-Pilot. «Mein Plan sieht vor, bei rund zehn Bergrennen in der Schweiz und in Frankreich zu fahren.» Wie Fleury soll auch er sein Debüt in La Roche geben.
Anm.: Mehr zu Jubilar Jean-Louis Fleury, dem Vater von Frédéric, zu einem späteren Zeitpunkt.
Sie erhalten monatliche News und Events der Auto Sport Schweiz Seite