Kevin Gilardoni hat am Wochenenden zum siebten Mal den Gesamtsieg beim Rally del Ticino feiern dürfen. Nicolas Lathion, der Gesamtführende der Schweizer Rallye-Meisterschaft, wurde Fünfter und hat seinen Vorsprung vor dem Finale im Wallis (29.-31. Oktober) weiter ausgebaut.
Kevin Gilardoni und das Rally del Ticino – das passt (wie man heute so schön sagt) wie die Faust aufs Auge. Am Wochenende war der 34-Jährige aus dem Misox einmal mehr nicht zu schlagen. Allerdings hatte Gilardoni, der diesmal mit einem Toyota GR Yaris Rally2 fuhr, alle Hände voll zu tun, den siebten Gesamtsieg nach Hause zu fahren. 2024 hatte Gilardoni am Ende einen Vorsprung von fast 1:45 min. Bei der 28. Ausgabe des «Ticinos» waren es am Samstagabend (bei zwei Etappen weniger als vor zwei Jahren) nur 12,4 Sekunden.
Gilardoni, der in diesem Jahr schon drei Rennen in der Super Trofeo Lamborghini (also auf der Rundstrecke) gewonnen hat, ging ab der zweiten Prüfung in Führung. Die erste Bestzeit liess noch etwas länger auf sich warten. Erst nach der Mittagspause war der Mann mit der Startnummer 1 mit seinem italienischen Beifahrer Corrado Bonato bei den beiden kurzen Valcolla-Prüfungen der Schnellste. Der erste, der sich in die WP-Bestzeitenliste des diesjährigen «Ticinos» eintragen durfte, war Stefano Mella mit Beifahrerin Veronica Tramontin auf seinem Skoda Fabia RS Rally2 am Freitagabend. Am Samstagmorgen war die Reihe dann an Kim Daldini und Céline Lachelin (ebenfalls auf einem Skoda Fabia RS Rally2). Der 33-jährige Tessiner fuhr wie entfesselt zwei Mal Bestzeit und lag in der Mittagspause nur 6,8 Sekunden hinter Gilardoni. Hätte Daldini am Freitagabend in der ersten WP keinen Frühstart hingelegt, wäre er sogar in Führung gelegen. Doch für den «Fauxpas» im Industriegebiet in Chiasso bekam Daldini eine Zehn-Sekunden-Strafe aufgebrummt.
Weil Gilardoni nach der Mittagspause bis auf den Italiener Simone Miele, der in der fünften WP die Bestzeit fuhr, alles im Griff hatte, waren die Plätze auf dem Podium bezogen. Gilardoni feierte seinen siebten Gesamtsieg vor Daldini und Miele. Da Letzterer als Italiener keine SM-Punkte bekommt, ging der dritte Platz im Schweizer Klassement an Gauthier Hotz/Michaël Volluz auf Skoda Fabia RS Rally2. Für den erst 23-jährigen Jurassier war dieser dritte Platz ein Riesen-Erfolg. Hotz verlor auf die gesamte Rallye gesehen nur 30 Sekunden auf Gilardoni und stand bei seinem erst zweiten Einsatz mit einem Rally2-Auto bereits auf dem Podium. Wenn man bedenkt, dass der Sohn des achtmaligen Schweizer Rallye-Meisters Grégoire Hotz von vor fast zwei Jahren seine letzte Rallye bestritten hat, ist seine Leistung noch höher einzustufen.
Acht Sekunden hinter Hotz belegte Thibault Maret mit seinem belgischen Co-Piloten Louis Louka auf Citroën C3 Rally2 den fünften Gesamtrang. Direkt dahinter kam Nicolas Lathion/Morgane Apothéloz auf ihrem Skoda Fabia RS Rally2 ins Ziel. Das führende Duo in der Meisterschaft war mit mehr als 30 Sekunden Rückstand nach drei Prüfungen gar nicht zufrieden. «Das Auto macht nicht, was ich will», meinte Lathion. «Wir haben zwar neue Reifen, aber kaum Grip.» Dank ein paar Umbauten in der Pause änderte sich das Fahrverhalten. «So konnten wir danach in den letzten drei Prüfungen wieder mithalten.» In der Meisterschaft haben Lathion/Apothéloz ihren Vorsprung ausgebaut. Vor dem grossen Finale im Wallis (29.-31. Oktober) liegt das Duo 22 Punkte vor Pascal Perroud, 25 vor Mike Coppens, je 28 vor Florian Gonon und Thibault Maret sowie 32 vor Jonathan Hirschi. Bei noch maximal 32 zu vergebenen Zählern ist also noch nichts entschieden. Lathion hat aber gute Karten, bei seiner Heimrallye als Meister vom Platz zu gehen.
Bestes Team bei den «Kleinen» waren Aramis Cereghetti/Kim Defelippis auf einem Renault Clio S1600. Platz 2 ging an Davide Chiappa/Pietro d’Agostino (Lancia Ypsilon Rally4). Auf Platz 3 reihten sich Danilo und Nicole Pin auf ebenfalls einem Renault Clio S1600 ein. Auswirkungen auf den Rallye-Pokal hatte die Rally del Ticino keine. Dort führen weiter Michaël Esteves/Ismaël Berdayes auf ihrem Opel Corsa Rally4. Neu auf Platz 2 liegen Alain Rey/Estelle Coppex auf Renault Clio Rally5.
In der historischen Klasse, der VHC, setzten sich Julien Camandona/Mélanie Crettaz (auf BMW M3 E30) erfolgreich durch. Auch auf den weiteren Podestplätzen landeten zwei BMW: 2. Clovis Brosy/Frédéric Erismann, 3. Eddy Bérard/Florence Bérard. Letztere führen das Gesamtklassement mit 18 Punkten Vorsprung auf Camandona/Crettaz an. Auch hier wird es im Wallis also nochmals spannend.
Weitere Informationen zur Rally del Ticino 2026 gibt es unter diesem Link.
Und so geht es weiter:
29.-31. Oktober, Rallye International du Valais
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