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24.06.2020 Teil 2 des Interviews mit Rallye-Pilot Jérémie Toedtli
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Jérémie Toedtli bei der Rallye du Valais 2019

Du bist 26 Jahre jung. Viele deiner Gegner sind älter, einige sind bereits über 50. Fühlst du dich manchmal wie der junge Wilde, der die Szene aufmischt?
Ich bin mir bewusst, dass ich das Privileg habe, in der Top-Klasse der Schweizer Meisterschaft zu fahren. Natürlich ist es immer eine Frage des Budgets. In der Regel können es sich nur erfolgreiche Unternehmer leisten, eine ganze Saison lang einen R5 zu fahren. Dafür gibt es mehrere Gründe, nicht zuletzt die Tatsache, dass es auf diesem Niveau keine Förderung mehr gibt. Zum Vergleich: Frankreichs Motorsportverband (FFSA) wählt jedes Jahr Fahrer aus, die professionell unterstützt werden und denen man finanziell beim Aufbau eines Programms hilft. Dass dies nur möglich ist, weil Frankreich sehr viel mehr Lizenznehmer hat, ist mir auch klar. Aber ich glaube immer noch, dass es auch bei uns Möglichkeiten gäbe, das Fundament zu stärken (zur Info: Frankreich hat 55’000 lizenzierte Kart- und Automobilrennfahrer, die Schweiz 3000. In Frankreich finden pro Jahr 250 Rallyes statt! Die Schweizer Meisterschaft bestand 2019 aus sechs Läufen, wovon zwei im Ausland ausgetragen wurden. In Frankreich gibt es seit 25 Jahren ein Programm, das sich rallyejeunes.com nennt. In der Schweiz haben wir seit 2012 die Schweizer Rallye Junioren-Meisterschaft).Medial gesehen ist der Rallyesport eine Disziplin, die in der Öffentlichkeit kaum wahrgenommen wird und sich nur schwer durchsetzen kann. Ich möchte allen Akteuren danken, die sich bemühen, unsere Leidenschaft zu teilen und versuchen, unseren Bekanntheitsgrad zu steigern. Ich bin davon überzeugt, dass es möglich ist, Rallyeveranstaltungen so attraktiv zu machen, dass man auch Leute, die sonst nichts mit unserem Sport am Hut haben, begeistern kann.

Die Corona-Krise hat auch deinen Kalender durcheinander gebracht. Was war dein Plan für dieses Jahr und was ist daraus geworden?
Die Tatsache, dass die ersten beiden Rallyes im Rahmen der Schweizer Meisterschaft abgesagt wurden, hat mein Programm natürlich durcheinander gebracht. Die Idee war, 2020 eine komplette Saison mit einem R5 zu bestreiten. Obwohl das Budget noch nicht endgültig festgestanden hatte, war der Plan, dass ich mich nach den ersten beiden Rallyes weiter auf Sponsorensuche begebe. Natürlich immer abhängig von den Ergebnissen. Jetzt, wo sich die Situation langsam verbessert, gehe ich wieder auf die Suche nach Sponsoren. Ich hoffe wirklich, dass ich das Budget finden kann, auch wenn es schwierig wird, da die Sommerferien näher rücken. Auf jeden Fall werde ich an einer der letzten drei Rallyes teilnehmen.

Motorsport ist sehr teuer. Wie finanzierst du dein Hobby?
Ich habe das Glück, ein paar treue Sponsoren zu haben, die mir seit meinen Anfängen zur Seite stehen. Aber natürlich habe ich noch nicht genug Partner, um ein komplettes Programm mit einem R5 auf die Beine zu stellen. Es ist eine ständige Suche nach Sponsoren. Seit diesem Jahr arbeite ich mit einem kleinen Team von Sportmanagement- und Kommunikationsprofis (360Degrés Sports Management GmbH) zusammen. Sie unterstützen mich strategisch und helfen mir, meinen Bekanntheitsgrad zu steigern.

Was ist dein Ziel?
Mein Ziel ist es, meine Leidenschaft ausüben zu können – auf welchem Auto oder bei welcher Rallye – das spielt keine Rolle. Natürlich ist, wie für alle Schweizer Fahrer, der Gewinn des nationalen Titels eines meiner Ziele, vorausgesetzt, es gibt Konkurrenz. Im Jahr 2017 hatte ich die Chance, an zwei Läufen zur Weltmeisterschaft teilzunehmen. Das war eine unglaubliche Erfahrung, die ich gerne wiederholen möchte. Auch die Atmosphäre und die Konkurrenzfähigkeit des 208er RallyCup lassen mich nostalgisch werden. Ich schliesse nicht aus, dass ich auch an sowas wieder Gefallen finden würde.

Und wovon träumst du auf internationaler Ebene?
Mein Traum war es schon immer, Teil eines professionellen Teams zu sein und zu geringeren Kosten fahren zu können. Zur Teilnahme an der Weltmeisterschaft fehlt jedoch die finanzielle Unterstützung. Damit habe ich mich abgefunden. Mein derzeitiger Traum wäre es, einen Sponsor oder mehrere grosse Sponsoren zu finden, mit denen ich zum Beispiel bei der Europameisterschaft für mehrere Saisons ein tolles Programm auf die Beine stellen könnte.

Wie denkst du über die Zukunft der Schweizer Rallye-Meisterschaft? Was könnte oder müsste geändert werden?
Mein Freund Cédric Althaus hatte eine Idee, deren Ansatz ich interessant finde: Nämlich die Meisterschaft 2021 auf die Kategorien R2 oder R3 zu beschränken, um die Kosten zu begrenzen. Es wäre schön, die Mehrheit der Fahrer unter gleichen Bedingungen gegeneinander fahren zu sehen. Anstatt vier bis fünf Anwärter auf den Titel zu haben, wären meiner Meinung nach etwa 20 Fahrer im Rennen um die Meisterschaft. Es würde auch denjenigen, die nicht über das Budget verfügen, um mit einem R5 zu fahren, eine volle Saison und eine Chance auf die Meisterschaft ermöglichen.

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