Beim Bergrennen in Les Rangiers gab es eine Premiere. Victor Darbellay sicherte sich in seinem zehnten Rennen zur Schweizer Berg-Meisterschaft als Prototypen-Pilot seinen ersten Tagessieg. Der Triumph in der parallel ausgetragenen Europa-Meisterschaft ging an den Franzosen Kevin Petit.
Irgendwie hat es sich angekündigt. Dass es ausgerechnet beim Bergrennen Saint-Ursanne – Les Rangiers passieren könnte, das war dann doch eine Überraschung. Der erste Tagessieg von Victor Darbellay im Rahmen der Schweizer Berg-Meisterschaft ist Tatsache. Der 31-jährige Walliser wurde bei der 81. Ausgabe des Klassikers im Jura nur von einem Fahrer geschlagen: Kevin Petit. Dieser fuhr aber um EM- und nicht um SM-Punkte. Und dieser war gegenüber Darbellay gar nicht einmal so viel schneller. In der Addition der beiden Rennläufe hatte der Franzose mit seinem 3-Liter Nova NP01 1,166 Sekunden Vorsprung auf Darbellay, der nach La Roche und Anzère nun auch im Jura einen neuen 2-Liter-Rekord aufstellte.
Darbellay liess es im Jura richtig fliegen – und freute sich im Ziel zusammen mit seinem Team natürlich über seinen ersten Sieg im SCRATCH: «Ich bin sehr zufrieden», meinte der Garagist aus Martigny. «Das schönste Rennen von Europa im Rahmen der Schweizer Meisterschaft zu gewinnen, ist einfach fantastisch. Noch dazu in einem 2-Liter-Prototypen. Ich habe in 1:42,820 min die siebtschnellste Zeit, die je gefahren wurde, realisiert. Das ist einfach nur herausragend. Ein grosses Dankeschön an mein Team und alle, die dabei mitgeholfen haben.»
Anders die Gemütslage bei Robin Faustini. Der Aargauer kam durch die Absage des Bergrennens am Gurnigel beim Rennen in Les Rangiers ohne damit gerechnet zu haben zu seinem ersten Matchball. Doch nach 19 Tagessiegen hintereinander (eine unglaubliche Serie!) wollte es ausgerechnet dort, wo Faustini so gerne einen neuen Streckenrekord aufgestellt hätte, mit Sieg Nr. 20 nicht klappen. Im ersten Lauf unterbrach der Emap-Turbomotor im Heck von Faustinis Nova NP01 auf halber Strecke plötzlich seinen Dienst. Was auf den ersten Blick wie ein Motorschaden aussah, entpuppte sich als ein Defekt am Kühler. «Deshalb ist auch überall Wasser herausgespritzt», sagt Faustini. «Und deshalb wurde auch die Elektronik in Mitleidenschaft gezogen.» Zwar konnte das Team den Wagen nochmals parat machen und Faustini konnte im zweiten Lauf eine 1:45,0 min fahren, was noch zu Gesamtplatz 10 und Rang 4 in der SM-Wertung reichte. Die Meisterparty musste aber auf das nächste Rennen in Oberhallau am 30. August verschoben werden.
Platz 2 im SCRATCH ging an Joël Volluz auf seinem Norma-Judd M20 FC. Der Routinier sorgte damit für einen Walliser Doppelsieg und entschädigte sich in Les Rangiers für viel Ärger im Vorjahr. Damals beendete nämlich ein Motorschaden seine Saison vorzeitig. «Ja, ich bin wirklich zufrieden mit meinem zweiten Platz und vor allem mit der erzielten Zeit. Les Rangiers ist nie einfach, und ich weiss genau, wo meine Schwächen bei diesem Rennen liegen, und jedes Jahr verbessere ich mich mehr und mehr. Ich freue mich riesig, dass Victor dieses Rennen gewonnen hat – er hat es verdient, er ist eine unglaubliche Zeit gefahren.»
Zwei Sekunden hinter Darbellay und knapp eine Sekunde hinter Volluz belegte mit Michel Zemp ein weiterer Fahrer mit einem kleinen 1170er-Turbosportwagen den dritten Rang in der SM-Wertung. Zemp war mit seiner Leistung ebenfalls zufrieden, wenngleich er natürlich versuchte herauszufinden, wo er gegenüber Darbellay Zeit liegen gelassen hatte. «Bis zu ‹Les Grippons› waren wir auf Augenhöhe», meinte Zemp. «Danach war er etwas schneller. Aber auf einer Strecke von mehr als fünf Kilometern reden wir da von zwei Zehntelsekunden pro Kilometer.» Zemp hat mit seinem dritten Podestplatz im fünften Rennen den zweiten Rang in der Gesamtwertung übernommen. Nur er könnte Faustini (theoretisch) noch am dritten Titel in Serie hindern. Die Rückstande von Darbellay und dem in Les Rangiers nicht am Start gestandenen Marcel Steiner sind zu gross. Ausserdem wird Darbellay bei den beiden verbleidenden Rennen nicht am Start stehen.
Schnellster Formel-Pilot war im Jura Routinier Roland Bossy auf seinem Tatuus Formel 3. Der Lokalmatador hielt die beiden Franzosen Nicolas Dumond und Ludovic Cholley in baugleichen Tatuus T-318 erfolgreich in Schach. Sein «Schützling» Ursanne Salomon verpasste die Gelegenheit, Bossy zu bezwingen. Dem Jurassier unterlief im ersten Rennlauf bei der Anfahrt zum «Petit Susten» ein Fahrfehler, der ihn reichlich Zeit gekostet hatte. Im zweiten Lauf war er fast gleich schnell wie Bossy.
Bei den Tourenwagen ging der Gesamtsieg erwartungsgemäss an den in der Europa-Meisterschaft führenden Reto Meisel in seinem Mercedes SLK340. Nachdem er im Training noch technische Probleme hatte, fuhr der Aargauer zuerst eine 1:56,5, danach eine 1:54,7 min. Die 25 EM-Punkte holte er sich also verdient ab, wenngleich sie nur unter Mithilfe vom ungeteilten Nicolas Werver im Porsche GT3 R zustande kamen. Für Landsmann Roger Schnellmann, der sich in Les Rangiers nur für die EM eingeschrieben hatte, endete das Rennen auf dem zehnten Schlussrang. Für den Schwyzer war es nach drei Pannen-Rennen hintereinander eine Genugtuung, endlich wieder einmal gewertet zu werden.
25 Punkte gab es auch für Ludovic Monnier. Der 34-Jährige aus Monthey war hinter dem Franzosen Werver, der keine SM-Punkte bekommt, bestplatzierter Tourenwagenfahrer in der Schweizer Wertung. Mit seinem VW Golf Turbo fuhr Monnier zwei Mal 2:05er-Zeiten. Damit war er in der Addition der beiden Rennläufe 2,6 sec schneller als Christoph Zwahlen im Porsche 911, der ebenfalls sensationell eine 2:05er-Zeit erzielte, und 5,8 sec schneller als «Speedmaster», der auf dem spektakulären Porsche 997 GT3 R des 2023 verstorbenen Tourenwagenchampions Andy Feigenwinter schnellster Interswiss-Pilot war. Apropos Interswiss: Besonders spannend war der Ausgang in der Klasse bis 2 Liter. Dort lag (Noch)-Tourenwagen-Gesamtleader Stephan Burri (VW Scirocco) nach dem ersten Lauf nur fünf Hundertstelsekunden vor Manuel Santonastaso (BMW 320). Im zweiten Lauf entschied Burri das Duell für sich, «Santi» belegte Platz 2. Keine Punkte gab es für Arnaud Donzé. Der IS-Trophy-Sieger von 2025 hatte nur einen gezeiteten Lauf. Im ersten Durchgang musste er ohne Bremse am Start Forfait geben. Zu den Tourenwagenfahrern, die in Les Rangiers die 2:10er-Schallmauer durchbrachen, gehörten auch Jean-Paul Chiquita (Porsche 911 GT3) und Hermann Bollhalder (Opel Speedster). Einer, der diese Marke bestimmt auch unterboten hätte, wäre Sébastien Coquoz gewesen. Der schnelle Opel-Kadett-Pilot aus der E1 bis 2 Liter musste am Sonntag nach einem technischen Defekt im Training allerdings zuschauen.
Keine Positionsveränderungen gab es im Berg-Pokal auf den Plätzen 1 bis 4. Ludovic Monnier, Stephan Burri, Hans-Peter Eller und Werner Rohr sicherten sich allesamt souverän einen «Zwanziger».
Alle Klassensieger in Les Rangiers entnehmen Sie der Übersicht:
Sylvain Chariatte (Honda Integra Type R, SuperSérie bis 3000 cm3), Patric Kuster (Toyota GR Yaris, SuperSérie Comp. bis 3000 cm3), Amir Selimovic (Porsche 911 GT3 RS, Super Série Comp. über 3000 cm3), Markus Brander (March 742, Gr. H bis 1600 cm3), Arnaud Biaggi (Opel Kadett C GT/E, Gr. Hbis 2000 cm3), Angelo Grasso (ITA, Osella PA10, Gr. H bis 3000 cm3), Robin Terrier (Opel Astra, Gr. H Classic bis 2000 cm3), Jean-Louis Fleury (Opel Ascona B, Gr. H Classic bis 3000 cm3), Ruedi Stoop (Chevrolet Corvette, Gr. H Classic über 3000 cm3), Frédéric Fleury (Martini Mk52, Gr. H Classic Monoplace), Alphonse Kilchenmann (Suzuki Swift, ISA bis 1600 cm3), Alain Terrier (Skoda Fabia, R2), Michaël Burri (Toyota Yaris GR, R5), Evann Mallet (FRA, Hyundai Elantra, TCR), Mario Schöpfer (VW Polo, E1 bis 1400 cm3), Hans-Peter Eller (Opel Kadett C, E1 bis 1600 cm3), Ludovic Monnier (VW Golf Rally, E1 bis 2000 cm3), Hugo Mascaro (BMW E30, E1 bis 2500 cm3), Hermann Bollhalder (Opel Speedster, E1 bis 3000 cm3), Bruno Ianniello (Lancia Delta S4, E1 bis 3500 cm3), Nicolas Werver (FRA, Porsche 997 GT3 R, E1 bis 4000 cm3), Manuel Gadeschi (ITA; Subaru Impreza sti, E1 über 4000 cm3), Sabrina Fankhauser (Toyota Yaris, IS bis 1400 cm3), Werner Rohr (Toyota Corolla AE86, IS bis 1600 cm3), Stephan Burri (VW Scirocco, IS bis 2000 cm3), Roman Marty (Opel Kadett C GT/E, IS bis 2500 cm3), Dominic von Rotz (Audi A4 Quattro, IS bis 3500 cm3), «Speedmaster» (Porsche 997 GT3 R, IS über 3500 cm3), Yohan Bardin (FRA, Norma M20 FC, CN bis 3000 cm3), Laurent Brossard (TracKing RC01B, E2 Silhouette), Samuel Métroz (Formel Arcobaleno, E2-SS bis 1150 cm3), Patrick Cholley (FRA, Dallara F311, E2-SS bis 2000 cm3), Roland Bossy (Tatuus F3-T318, E2-SS bis 3000 cm3),Michaël Rollat (Spire GT3, E2-SC bis 1600 cm3), Victor Darbellay (Nova NP01, E2-SC bis 2000 cm3), Joël Volluz (Norma M20 FC, E2-SC bis 3000 cm3).
Und so geht es weiter:
29./30. August, Oberhallau*
19./20. September, Châtel-St-Denis – Les Paccots
* zählt zur Schweizer Junior-Meisterschaft
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