Im Kampf um die Schweizer Slalom-Meisterschaft sind nach dem Doppelrennen in Ambri noch zwei Fahrer verlustpunktefrei. Die Tagessiege im Tessin gingen an Lionel Ryter – allerdings knapper als erwartet.
Kurz vor dem ersten Rennlauf am Samstag meinte Christophe Oulevay: «In einer halben Stunde ist das mit der weissen Weste für mich gelaufen. Werner Rohr ist hier stärker als ich. Die Chancen auf den Slalom-Titel sind für mich dahin.» Oulevay sollte recht behalten. In der IS bis 1,6 Liter war der VW-Scirocco-Pilot an beiden Renntagen langsamer als Rohr auf seinem Toyota Corolla AE 86. Am Samstag fehlten 0,58, am Sonntag 0,32 Sekunden. Natürlich hat Oulevay noch immer theoretische Chancen. Doch die Vergangenheit hat gezeigt: Am Ende der Saison gewinnt in der Regel der Fahrer die Meisterschaft, der verlustpunktefrei geblieben ist. Der letzte Schweizer Slalom-Meister, der nicht auf das Punktemaximum gekommen ist, war Martin Bürki. Das ist aber schon ein Weilchen her. 2016 fehlten ihm, um am Ende eine weisse Weste zu haben, fünf Zähler – zum Titel reichte es ihm trotzdem.
2026 sind nach fünf von sieben Rennen noch zwei Fahrer auf Kurs: Christian Bralla auf seinem Fiat X1/9 und Vorjahresmeister Alessandro Grispino auf seinem Renault Clio R3. Beide haben in Ambri ihre Klassen souverän gewonnen, wobei Bralla am Samstag in 1:32,84 min als Gesamtvierter obendrauf der schnellste Tourenwagenfahrer war. Am Sonntag – auf der schneller gesteckten Strecke – musste sich der Lokalmatador den beiden Porsche-Piloten Dino Wintsch und Mathias Bischofberger geschlagen geben. Für Wintsch war es nach Frauenfeld der zweite Gesamtsieg bei den Tourenwagen. Auch er wurde (wie Bralla am Vortag) Gesamtvierter.
Schneller als die beiden schnellsten Tourenwagen waren im auf 1000 Meter hoch gelegenen Ambri nur die drei Formel-Piloten Lionel Ryter (Formel Renault), Ursanne Salomon (Formel 3) und Tiziano Riva (Formel 3000). Dass Ryter, der bereits in Bière einen Tagessieg 2026 verbuchen konnte, die Nummer 1 sein würde, war abzusehen. Ohne Dauerrivale Philip Egli fehlte ganz an der Spitze die Referenz. Doch die beiden Siege im Tessin sind dem jungen Walliser nicht in den Schoss gefallen. Ryter hatte schon vor der Saison darauf hingewiesen, dass er punkto Reifen ziemlich ausgeschossen sei. «Ich bin in Sachen Gummi am Limit», meinte Ryter, der inzwischen auch schon bei sieben Slalom-Tagessiegen liegt. «Meine Vorderreifen von Ambri hatten 220 Kilometer drauf…» Dazu kam ein kleiner Blechschaden am Sonntagmorgen. «Im ersten Trainingslauf habe ich mir den Frontflügel an einer Pylone abgefahren. Aber das konnten wir zum Glück in zwei Minuten reparieren, sodass ich sogar zum zweiten Durchgang starten konnte.»
Am Samstag betrug der Vorsprung von Ryter 1,53 Sekunden auf Salomon. Am Sonntag war er 1,6 Sekunden schneller. Der Jurassier kommt mit dem ehemaligen Formel 3 von Roland Bossy immer besser zurecht. «Es geht sicher noch schneller», meinte er nach dem ersten Renntag, «aber ich bin zufrieden mit meiner Leistung.» Auf Platz 3 im SCRATCH landete Ambri-Spezialist Riva auf seinem Reynard 92D. Am Sonntag fehlten dem 58-jährigen Tessiner 0,16 Sekunden auf Salomon. Mit Nolan Vuilleumier und Anthony Gurba (beide auf Formel Renault) landeten noch zwei weitere junge Nachwuchspiloten in Ambri in den Top 10.
Apropos Top 10: In der tauchte am Samstag auch Bruno Sawatzki auf. Der Schweizer Tourenwagen-Meister von 2023 und 2024 hat den Slalom in Ambri als Trainingsfahrt im Hinblick auf die Berg-Meisterschaft genutzt und war am Samstag mit seinem Porsche 991.1 schnellster Interswiss-Pilot. Dass er sich im zweiten Lauf nicht steigern konnte, lag an den Reifen. «Die Yokohamas haben hier deutlich besser funktioniert als die Michelins.» Hinter Sawatzki, der in der IS über 3 Liter startete, gewann Stephan Burri am Samstag in seinem VW Scirocco die 2-Liter-Konkurrenz. Am Sonntag war Marco Geering im Opel Kadett der schnellste IS-ler. Sawatzki hatte seinen Porsche schon am Samstagnachmittag nach zwei Läufen wieder aufgeladen – «Ich habe genug Erkenntnisse gesammelt». Burri hatte schon am ersten Renntag merkwürdige Geräusche aus dem Motorenumfeld wahrgenommen. «Irgendetwas läuft nicht rund», meinte der gebürtige Berner und verzichtete auf weitere Experimente am Sonntag.
Schlimmer traf es Ex-Slalom-Champion Martin Oliver Bürki im zweiten Trainingslauf am Sonntagmorgen. Nach einem kleinen Fahrfehler ausgangs der Zielschikane landete MOB in der Leitplanke. «Ich habe die Lenkung etwas zu früh aufgemacht und dann kam schon der Gegenschwenker.» Ob wir den wunderschön aufgebauten BMW 320iS in dieser Saison nochmals sehen werden? Im Moment sieht es nicht danach aus. Immerhin: Der Fahrer ist abgesehen von einem «Ziehen im Nacken» wohlauf.
Einen starken Eindruck hinterliess in Ambri Jannis Jeremias. Der Seeländer hat im Tessin zum zweiten Mal nach Bière seinem frisch erstandenen Honda-TCR von der Leine gelassen. Samstag wie Sonntag schaffte er es jeweils in die Top 15. Auf einen Routinier wie Christoph Zwahlen im Porsche 911, der ohne Zweifel weiss, wo sich das Gaspedal befindet, hat Jannis an beiden Tagen nur jeweils zwei Sekunden verloren.
Im Renault Classic Cup meldete sich am Samstag Thomas Zürcher mit seinem ersten Saisonsieg vor Beat Rohr und René Schnidrig zurück. Am Sonntag hätte der Serienmeister abermals auf dem Podium stehen können, doch Zürcher touchierte in beiden Rennläufen eine Pylone. So sicherte sich der neue Gesamtführende Rohr seinen zweiten Sieg im RCC – vor Marc Beyeler und Schnidrig.
Im Suzuki Swiss Racing Cup setzte sich Patrick Flammer gleich zwei Mal durch. Wie üblich war es auch diesmal wieder sehr eng. Am Samstag betrug der Vorsprung auf den Zweitplatzierten Rico Thomann 0,23 Sekunden, am Sonntag war Reto Steiner mit 0,32 Sekunden Zweiter.
Bei den LOCalen Rennen war Mario Hedinger auf seinem Lotus Exige S am Samstag in 1:38,12 min der schnellste Pilot. Am Sonntag war die Reihe an einem Elektroauto! Noa Schmid gewann auf seinem Tesla Model 3 in 1:35,28 min.
Alle Klassensieger von Ambri im Überblick – Samstag: Samuel Weibel (Subaru BRZ, SuperSérie bis 2000 cm3), Pierre Mürner (Porsche 992 GT3, SuperSérie Compétition über 2000 cm3), Hanspeter Thöni (Peugeot 106, PSA Transition Trophy Gr. N), Roland Schmid (Peugeot 208, PSA Transition Trophy Gr. Rally4), Ramon Hänggi (PSA Transition Trophy Gr. A), Alessandro Grispino (Renault Clio R3, A/ISA/R2 bis 2000 cm3), Thomas Zürcher (Renault Clio RS III, RCC), Jannis Jeremias (Honda Civic, TCR), Ludovic Ecabert (Citroën Saxo, E1 bis 1400 cm3), Hans Peter Eller (Opel Kadett C Coupé, E1 bis 1600 cm3), Christian Bralla (Fiat X1/9, E1 bis 2000 cm3), Steven Chiquita (BMW E30, E1 bis 2500 cm3), Christophe Maréchal (BMW E30, E1 bis 3000 cm3), Mario Bertocchi (BMW E36, E1 bis 3500 cm3), Dino Wintsch (Porsche 911, E1 über 3500 cm3), Stephan Moser (Toyota Yaris, IS bis 1400 cm3), Werner Rohr (Toyota Corolla AE 86, IS bis 1600 cm3), Stephan Burri (VW Scirocco, IS bis 2000 cm3), Michael Zbinden (Opel Kadett GT/E, IS bis 2500 cm3), Bruno Sawatzki (Porsche 991.1, IS über 3000 cm3), Markus Brander (March F2, Historic bis 1600 cm3), Lionel Ryter (Formel Renault, E2-SS bis 2000 cm3), Tiziano Riva (Reynard 92D, E2-SS über 2000 cm3).
Sonntag: Samuel Weibel (Subaru BRZ, SuperSérie bis 2000 cm3), Pierre Mürner (Porsche 992 GT3, SuperSérie Compétition über 2000 cm3), Adrian Gerber (Citroën Saxo VTS, PSA Transition Trophy Gr. N), Max Langenegger (Peugeot 208, PSA Transition Trophy Gr. Rally4), Ramon Hänggi (PSA Transition Trophy Gr. A), Alessandro Grispino (Renault Clio R3, A/ISA/R2 bis 2000 cm3), Beat Rohr (Renault Clio RS III, RCC), Jannis Jeremias (Honda Civic, TCR), Ludovic Ecabert (Citroën Saxo, E1 bis 1400 cm3), Peter Eggimann (Peugeot 106, E1 bis 1600 cm3), Christian Bralla (Fiat X1/9, E1 bis 2000 cm3), Steven Chiquita (BMW E30, E1 bis 2500 cm3), Christophe Maréchal (BMW E30, E1 bis 3000 cm3), Mario Bertocchi (BMW E36, E1 bis 3500 cm3), Dino Wintsch (Porsche 911, E1 über 3500 cm3), Stephan Moser (Toyota Yaris, IS bis 1400 cm3), Werner Rohr (Toyota Corolla AE 86, IS bis 1600 cm3), Marco Geering (Opel Kadett C GT/E, IS bis 2000 cm3), Michael Zbinden (Opel Kadett GT/E, IS bis 2500 cm3), Vanessa Zenklusen (Subaru Impreza Type R, IS über 3000 cm3), Markus Brander (March F2, Historic bis 1600 cm3), Lionel Ryter (Formel Renault, E2-SS bis 2000 cm3), Tiziano Riva (Reynard 92D, E2-SS über 2000 cm3).
Und so geht es weiter:
16./17. Mai, Bure
20./21. Juni, Chamblon
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