Der Rallye-Saisonhöhepunkt hat gehalten, was er versprochen hat: Bei der Rallye du Valais gab es mit Yohan Surroca einen neuen Sieger und mit Nicolas Lathion einen neuen Meister.
Die bekannteste und traditionsreichste Rallye der Schweiz, die Rallye International du Valais, ist um mindestens zwei Kapitel reicher. Zum einen wegen Yohan Surroca (und seinem belgischen Co-Piloten Loïc Dumont), zum anderen wegen Nicolas Lathion und Beifahrerin Morgane Apothéloz. Letztere haben bei ihrer Heimrallye den Schweizer Meistertitel geholt. Allerdings war es eine ganz schöne Zitterpartie. Gleich zwei Mal kam der 36-jährige Walliser während des finalen Wochenendes vom rechten Weg ab. Mit etwas weniger Glück hätte der Traum vom Meistertitel schon im Shakedown am Donnerstag zu Ende gehen können. Lathion rutschte nach einem Verbremser in den Notausgang, verpasste dort haarscharf ein geparktes Auto eines Offiziellen und kam erst in einem Graben zum Stillstand. «Wir hatten Glück gehabt», meinte Lathion später im Servicepark in Martigny. «Wir werden es morgen mit Vorsicht angehen.»
Bis zur elften Prüfung am Samstagnachmittag ging Lathions Plan auf. In jeder Prüfung fuhr der Skoda-Pilot in die Top 10. Der vierte Zwischenrang würde locker zum Titelgewinn reichen. Doch in der 12. WP auf Höhe der «Gorges du Durnand» hinauf zum Lac du Champex übertrieb es Lathion in einer linken Haarnadelkurve. Statt nach einem richtig schönen Drift die Fahrt vorzusetzen, drehte sich der Wagen einmal um die eigene Achse die Böschung hinunter. Beim Aufprall auf die darunterliegende Strasse löste sich der rechte Hinterreifen. Lathion musste das Rad wechseln. Alles in allem handelte er sich dadurch einen Rückstand von 4:44,9 min auf die Spitze ein, was ihn im Gesamtklassement auf Rang 12 (in der Schweizer Wertung auf Position 9) zurückwarf. Weil er sich in der letzten Prüfung im Val de Bagnes dann keine Blösse mehr gab und die achtschnellste Zeit markierte, reichte es ihm zum Gewinn des Titels. Der Vorsprung schmolz aber auf sechs Punkte zusammen. «Egal», meinte Lathion im Ziel. «Wir haben uns unseren Traum erfüllt.» Der Fehler kurz vor Schluss nimmt er auf seine Kappe. Wobei er auch sagt: «Ich hatte das Gefühl, dass die Reifen kühler waren als gewöhnlich. Grundsätzlich war ich einfach froh, dass wir bis dort eine sehr solide Rallye gefahren sind und wir uns mit unserer Fahrweise keinen allzu grossen Rückstand eingehandelt haben. Sodass der Vorsprung bis ins Ziel reichte. Im ersten Moment dachte ich nämlich: Das war’s!»
Platz 2 in der Schweizer Meisterschaft ging an Mike Coppens/Christophe Roux. Die Routiniers, die in diesem Jahr ausser der «Valais» nur bei der Rallye du Chablais am Start gestanden hatten, sicherten sich mit einer sehr soliden Leistung Platz 2. Von den 13 Prüfungen beendeten Coppens/Roux neun in den Top 3. «Es ist etwas frustrierend», meinte Coppens. «Ich weiss, was mit dem Auto möglich ist. Und dafür, dass wir keine Risiken eingegangen sind, haben wir pro Prüfung nur wenig verloren – hier eine Sekunde, da eine Sekunde. Es wäre aber mehr möglich gewesen. Aber man darf auch nicht vergessen, dass wir zwischen der Rallye du Chablais und der Rallye du Valais gerade mal 30 Kilometer getestet haben.»
Der Star der Rallye du Valais war aber ein ganz anderer: Yohann Surroca. Der 24-jährige aus Uvrier bei Sion hat erst 2022 mit dem Rallyesport angefangen. Sein bisher bestes Ergebnis im Rahmen der Schweizer Rallye-Meisterschaft war ein siebter Platz 2024 bei seiner Heimrallye im Wallis. Im Vorjahr belegte er bei der RIV Rang 8. Die Mehrheit seiner Rallyes hat der Hyundai-Pilot bisher im Ausland (insbesondere in Frankreich) bestritten. Bei seiner vierten Teilnahme im Wallis gelang ihm nun der ganz grosse Coup. Und das nicht irgendwie durch Zufall, sondern durch eine starke und vor allem konstante Leistung. Schon in der zweiten Prüfung übernahm Surroca die Führung, gab diese kurz vor Etappenschluss am Freitagabend nochmals kurz an Thibault Maret im Citroën C3 ab, sorgte dann aber am zweiten Tag (nach dem sechsfachen Überschlag von Maret) für klare Verhältnisse und katapultierte sich mit dem Valais-Sieg sogar noch auf Platz 3 der Gesamtwertung.
«Ich habe immer von einem Sieg bei der Rallye du Valais geträumt», meinte Surroca, der am zweiten Tag vier Mal die Bestzeit aufstellte. «Ich glaube, das ist der Traum eines jeden Schweizer Rallye-Piloten. Wir haben uns sehr gut auf diese Rallye vorbereitet. Ich kenne auch die Strassen sehr gut. Und wir haben von Anfang an einen guten Rhythmus gefunden.»
Für Maret endete die Heimrallye nach dem Unfall. Der 26-Jährige kam abgesehen von ein paar Prellungen glimpflich davon. Der «moralische» Schaden ist deutlich grösser. «Wir waren gut unterwegs», meinte Maret. «Aber an dieser Stelle bin ich etwas vom Kurs abgekommen und dann ist das Auto gerutscht. Es ist sehr ärgerlich. Wir lagen in Führung und bis zum Ort des Abflugs, sieben Kilometer vor dem Ziel, waren Yohan und ich in derselben Sekunde.»
Hinter Surroca und Coppens sicherte sich der Deutsche Albert von Thurn und Taxis (mit Beifahrerin Jara Hain) Platz 3 im Gesamtklassement. Direkt dahinter kam (als Dritter der Schweizer Wertung) Michaël Burri mit seinem belgischen Co-Piloten Maxime Andernack ins Ziel. Für Burri war es die erste Teilnahme an der RIV seit 2024. Damals verunfallte er schwer, gewann aber trotzdem den Titel. Hinter Burri klassierten sich Jonathan Michellod/Stéphane Fellay auf Rang 5. Platz 6 ging an den Polen Jaroslaw Koltun, der am zweiten Tag mit drei Bestzeiten auf sich aufmerksam machte. Die weiteren Top-10-Platzierungen: 7. Ismaël Vuistiner/Florine Kummer (Skoda Fabia), 8. Jason Pritchard/Robert Fagg (GB, Toyota Yaris), 9. Joël Rappaz/Gaëtan Aubry (Skoda Fabia), 10. Yoan Loeffler/Aurélien Chiappello (Skoda Fabia).
Bester Rally4-Pilot bei der «Valais» war Aurélien Devanthéry mit Beifahrer Michaël Volluz auf einem Peugeot 208 auf Gesamtrang 17. Bei den Rally3-Autos hatte Mathieu Sermier/Yvan Thurre (Renault Clio) die Nase vorne. Bei den S1600ern ging der Klassensieg an Joël Grand. Den Titel im Rallye-Pokal sicherten sich Michaël Esteves/Ismaël Berdayes auf ihrem Opel Corsa Rally4 mit zwei Punkten Vorsprung auf Alain Rey/Estelle Coppex (Renault Clio Rally4) und acht Punkten Vorsprung auf Mathieu Zurkinden/Stéphane Pury auf Peugeot 208 Rally4.
In der historischen Klasse, der VHC, siegten Julien Camandona/Mélanie Crettaz. Der BMW-M3-Pilot lag von der ersten Prüfung an in Führung und baute die kontinuierlich aus. Im Ziel hatte er 1:55 min Vorsprung auf die Markenkollegen Edy und Florence Bérard, die sich in der elften Prüfung auf Platz 2 schoben, nachdem Jérémie Toedtli auf seinem Ford Sierra Cosworth 4x4 ausgefallen war. Rang 3 ging an Aurélien Bouchet/Marie Deroy, ebenfalls auf einem Ford Sierra Cosworth 4x4. Die Krone in der VHC sicherte sich das Duo Bérard – zum vierten Mal nach 2017, 2022 und 2024. Platz 2 ging an Camondona (15 Punkte dahinter). Dritter wurden die Vorjahresmeister Eddy und Marion Tapparel auf ihrem giftgrünen Porsche 911.
In der VHRS ging der Sieg und der Titel an Laurent und Florence Pernet. Das Paar hat die RIV auf ihrem BMW 325ix am gleichmässigsten absolviert. Platz 2 in der Meisterschaft sicherten sich René Winz/Didier Barthe (MG B GT) vor Dominique und Marylaure Udriot (Toyota Celica).
Mehr Infos zur Rallye du Valais finden sie unter diesem Link.
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