In der Schweizer Slalom-Meisterschaft hat Christian Bralla in Bure mit seinem sechsten Klassensieg im sechsten Rennen einen grossen Schritt in Richtung Titelgewinn gemacht. Der Tagessieg ging zum ersten Mal überhaupt an Ursanne Salomon im Formel-3-Dallara.
Roland Bossy darf stolz sein. Vor den Augen des ehemaligen Besitzers hat Ursanne Salomon mit seinem frisch erworbenen Formel-3-Dallara bei seinem Heimrennen in Bure (JU) am gestrigen Sonntag seinen ersten Tagessieg erzielt. Und das in seinem erst achten Slalom. Salomon hat 2025 in Bière sein Debüt gegeben. Dieses Jahr hat er sich auf die Slaloms konzentriert, die auch zur Schweizer Junioren-Meisterschaft zählen. Soll heissen: Frauenfeld, Ambri 1 und 2 sowie eben Bure. Nach dem ersten Durchgang lag der Jurassier mit einer Zeit von 2:34,528 min in Führung. Im zweiten Lauf steigerte er sich um fast fünf Sekunden und stanzte mit 2:29,741 min die Tagesbestzeit in den holprigen Belag auf dem Armeegelände in Bure. «Ich wende seit Beginn dieses Jahres eine bestimmte Technik an: Im ersten Lauf fahre ich ruhig, um mir die Punkte in der Junioren-Meisterschaft zu sichern, und im zweiten Lauf lasse ich dann die Zügel schleifen, wenn ich nichts mehr zu verlieren habe.»
Mit dieser Taktik bezwang er in Bure auch Lionel Ryter, der in dieser Saison schon drei Slaloms gewonnen hat. Dem Junioren-Meister von 2025 lief es nicht nach Plan. Schon vor dem Wochenende hatte er Ärger mit seinem Motor. Genauer gesagt mit den Einspritzdüsen seines Triebwerks. «Zum Glück hat das mein Motorentuner RPM unter der Woche lösen können», sagt Ryter. Im ersten Lauf erwischte der Walliser dann auf der langen Waldgeraden eine Pylone. «Ich hatte mitten auf dem Visier ein totes Insekt. Als ich es versuchte von Hand weg zu machen, wurde die Sicht noch schlimmer und ich erwischte ein Hütchen. Im zweiten Lauf hat man dann, gerade als ich angebraust kam, eine Pylone, die von jemandem vor mir umgefahren wurde, wieder aufgestellt. Logisch, dass ich in dem Moment verlangsamen musste.» Weil Ryter seinen Formel Renault danach nicht in den Parc fermé stellte, wurde er disqualifiziert.
Hinter Salomon sicherten sich gleich drei weitere Piloten aus der Ecurie des Ordons, dem Veranstalter des Slaloms in Bure, die Plätze 2 bis 4 – angefangen mit Jimmy Froidevaux auf seinem Norma M20. Platz 3 ging an Joffrey Salomon, den älteren Bruder von Ursanne. Vierter wurde mit nur zwei Zehntelsekunden Rückstand aufs Podium Anthony Gurba (beide auf einem Formel Renault 2.0). Auch die Plätze 5 und 6 gingen an zwei junge Formel-Piloten: Samuel Métroz liess es als Fünfter mit seinem kleinen Formel Arcobaleno wieder einmal gehörig fliegen. Sechster wurde Nolan Vuilleumier auf seinem ebenfalls frisch erworbenen Formel Renault.
Bester Tourenwagenpilot – und damit kommen wir zur Meisterschafts-Vorentscheidung – war in Bure Christian Bralla auf seinem Fiat X1/9. Der Tessiner lag nach dem ersten Durchgang in 2:50,541 min mehr als zwei Sekunden hinter Ludovic Monnier, seinem direkten Klassengegner in der E1 bis 2 Liter, zurück. Dass der 48-Jährige aus Vaglio aber ein verdienter Slalom-Meister wäre, bewies er im zweiten Lauf. In 2:46,660 min fuhr er nicht nur die schnellste Tourenwagenzeit am gestrigen Sonntag, Bralla war im Vergleich zu seinem ersten Durchgang auch fast vier (!) Sekunden schneller. «Ich hatte für den zweiten Lauf die Stossdämpfer verstellt und neue Reifen aufgezogen», meint Bralla. «Trotzdem war es ein hartes Stück Arbeit. Ludovic ist sehr gut gefahren und ich musste mein Bestes geben.» Für Bralla, der nach sechs Siegen mit dem Punktemaximum vom Leaderthron grüsst, steht nun auch definitiv fest: «Ja, ich werde nach Chamblon kommen – und auch dort versuchen, zu gewinnen.» Monnier unterstrich in seinem schneeweissen VW Golf mit Platz 2 insgesamt und in seiner Klasse seinen Aufwärtstrend. «Ich komme mit dem Ex-Auto von Danny Krieg immer besser zurecht. Leider habe ich im zweiten Lauf ein Tor ausgelassen.» Ohne dieses Malheur wäre es sicher sehr spannend geworden. Monniers Zeit, die wegen des Torfehlers gestrichen wurde, betrug 2:45,5 min…
Platz 3 bei den Tourenwagen und damit bester Interswiss-Pilot war Lokalmatador Arnaud Donzé. Auch für ihn war es kein leichtes Rennen. Vor dem Start zum ersten Lauf ist ihm an seinem VW Golf die Drosselklappenwelle kaputt gegangen. Donzé hatte also nur einen Lauf, um sich gegen Dauerrivale Stephan Burri im VW Scirocco zu behaupten. Doch auch dieser erwischte in Bure nicht sein bestes Wochenende. Auch er hatte nach dem ersten Lauf und dem Auslassen eines Tores einen Nuller stehen. Im zweiten Heat verpasste er Donzés Bestzeit um 1,2 Sekunden, war damit aber immer noch schneller als die beiden besten Porsches von Christoph Zwahlen (Gesamt-12.) und Pierre Mürner (13.). Für Porsche-Pilot Matthias Bischofberger war schon nach dem ersten Trainingslauf Feierabend. Der junge Thurgauer musste mit einem Schaden am Differenzial frühzeitig aufladen. Nicht gewertet wurde auch «Speedmaster». Bei seinem ersten Auftritt (in der Schweiz) mit dem von Romeo Nüssli erworbenen Ford Escort Cosworth stellte auch der Berner sein Fahrzeug am Ende nicht im Parc fermé ab. «Mir ging es darum, das Auto für die bevorstehende Bergsaison vorzubereiten», sagt «Speedmaster». «Bure war also quasi ein Funktionstest.» Die Zeit im ersten Lauf hätte sich sehen lassen können: 2:46,2 min. «Aber man hat mir eine Pylone aufgeschrieben. Wo ich diese getroffen habe, weiss ich nicht. Ist auch egal: Ich habe an der Übersetzung arbeiten können und hatte Spass mit dem neuen Auto, das sich im Vergleich mit dem Ianniello-Lancia sehr viel loyaler und agiler benimmt.»
Einen Dämpfer im Kampf um das Gesamtpodium erlitt in Bure Christophe Maréchal. Im ersten Lauf drehte sich der BMW-Kutscher nach der Zielkurve, im zweiten Durchgang erhielt er eine Strafe wegen einer umgeworfenen Pylone. Mit Blick auf das Saisonfinale in Chamblon am 21. Juni bedeutet das: Hinter Bralla können sich noch mehrere Fahrer Hoffnungen auf einen Platz auf dem Podium machen. Stand heute liegt Christophe Oulevay nach einem neuerlichen Klassensieg auf Platz 2, Vorjahres-Champion Alessandro Grispino ist Dritter, Maréchal Vierter und Samuel Weibel, Vorjahresdritter, ist Fünfter.
Im Suzuki Swiss Racing Cup, der am Samstag ausgetragen wurde, setzte sich Reto Steiner durch. Für einmal waren es nicht Hundertstel- oder Tausendstelsekunden, die über Sieg und Niederlage entschieden. Mit 0,8 Sekunden Vorsprung fuhr Steiner den bisher grössten Vorsprung in dieser Saison hinaus. Platz 2 ging an Vorjahresmeister Rico Thomann, Dritter wurde Michaël Béring. Schnellster LOC-Pilot war mit Abstand Pierre Mürner auf seinem Porsche GT3 992.2 – vor den beiden BMW-Piloten Julien Roulet und Roger Büeler, die ebenfalls Zeiten unter drei Minuten fuhren.
Alle Klassensieger von Bure im Überblick: Samuel Weibel (Subaru BRZ, SuperSérie bis 2000 cm3), Emeric Betticher (Toyota Yris GR, SuperSérie über 2000 cm3), Pierre Mürner (Porsche 992 GT3, SuperSérie Compétition bis 4000 cm3), Hanspeter Thöni (Peugeot 106, PSA Transition Trophy Gr. N), Max Langenegger (Peugeot 208, PSA Transition Trophy Gr. Rally4), Ramon Hänggi (PSA Transition Trophy Gr. A), Alain Terrier (Skoda Fabia, A/ISA/R2 bis 2000 cm3), Mathias Guélat (Citroën Saxo, E1 bis 1600 cm3), Christian Bralla (Fiat X1/9, E1 bis 2000 cm3), Steven Chiquita (BMW E30, E1 bis 2500 cm3), Mickaël Ducommun (Peugeot 308 Cup, E1 bis 3000 cm3), Vanessa Zenklusen (Subaru Impreza Type R, E1 bis 3500 cm3), Christoph Zwahlen (Porsche 911, E1 über 3500 cm3), Mario Schöpfer (VW Golf, IS bis 1400 cm3), Christophe Oulevay (VW Scirocco, IS bis 1600 cm3), Arnaud Donzé (VW Golf, IS bis 2000 cm3), Rolf Burri (Opel Kadett C, IS über 2000 cm3), Arnaud Biaggi (Opel Kadett C GT/E, Historic bis 2000 cm3), Michaël Rollat (Spire GT3, E2-SC bis 1400 cm3), Jimmy Froidevaux (Norma M20, E2-SC bis 2000 cm3), Samuel Métroz (Formel Arcobaleno, E2-SS bis 1400 cm3), Ursanne Salomon (Dallara F3, E2-SS bis 2000 cm3).
Und so geht es weiter:
20./21. Juni, Chamblon
Ein Update zur Junioren-Meisterschaft folgt im Laufe der Woche.
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