In der Schweizer Slalom-Meisterschaft ist am gestrigen Sonntag die Entscheidung gefallen. Der Tessiner Christian Bralla hat sich in Chamblon zum neuen Meister gekürt – vor Alessandro Grispino und Christophe Oulevay.
Ein fünfter Platz in seiner Klasse hätte zum Titelgewinn gereicht. Aber halbe Sachen sind nicht sein Ding. Christian Bralla hat beim Finale der Schweizer Slalom-Meisterschaft 2026 in Chamblon mit einem weiteren Sieg in der E1 bis 2 Liter alles klar gemacht. Und das schon nach dem ersten Durchgang. Mit einer 3:15,173 min kam er zwar nicht an seine Bestzeit von 2023 heran, aber der Vorsprung des Tessiners in seiner Gruppe war so gross, dass er den zweiten Lauf gar nicht hätte fahren müssen. Bralla fuhr trotzdem – und holte sich in 3:13,445 min den siebten Gruppensieg (im siebten Rennen) und den dritten Tagessieg bei den Tourenwagen in diesem Jahr!
Im Parc fermé angekommen hatte sich Bralla im Handumdrehen ein Meister-T-Shirt übergestreift. Und es dauerte auch nicht lange, bis ihm sein Team – allen voran sein ehemaliger Markenkollege Christian Darani – mit einer kleinen Bierdusche zum ersten Titel gratulierte. Diese Abkühlung hatte sich Bralla verdient. Das Rennen in Chamblon war, was die Konkurrenz betrifft, sicher nicht das härteste für den 48-Jährigen aus Vaglio. Aber die Hitze machte vor allem den Teilnehmenden mit geschlossenen Fahrzeugen zu schaffen. «Bei knapp 70 Grad im Auto ist es nicht einfach die Konzentration zu behalten», meinte Bralla, der schon einmal eine Saison mit lauter «Zwanzigern» hatte: 2023. Damals wurde er aber nur Gesamtdritter, weil Philip Egli und Lukas Eugster die besseren Ergebnisse im SCRATCH hatten als der Mann mit seinem Fiat X1/9.
Zu den ersten Gratulanten gehörte auch Renault-Clio-Pilot Alessandro Grispino. Der Vorjahresmeister stand schon umgezogen beim Parc fermé, als Bralla dort sein Fahrzeug abstellte. «Das ist für mich Ehrensache», meinte Grispino. «Christian hat diesen Titel in diesem Jahr absolut verdient gewonnen. Ich freue mich für ihn.» Grispino war in Chamblon der Einzige, der Bralla noch am Titelgewinn hätte hindern können. Aber dafür hätte Bralla entweder massenweise Pylonen umwerfen oder einen technischen Defekt haben müssen. «Aber das wünscht man einem Fahrer wie ihm, der dieses Jahr so sauber gefahren ist, natürlich nicht», meinte Grispino, der nach Platz 1 im Vorjahr diesmal Gesamtzweiter wurde und damit seine vorzügliche Leistung aus dem Jahr 2025 bestätigte.
Auch Christophe Oulevay, der sich mit einem fünften Gruppensieg in der Interswiss bis 1,6 Liter, den dritten Gesamtrang sicherte, liess es sich nicht nehmen, Bralla zum Titelgewinn zu gratulieren. Der 42-Jährige aus Chavornay (VD) lag vor dem Finale noch auf Platz 2, hatte aber aufgrund der Streichresultat-Regel die schlechteren Karten als Grispino. «Ich freue mich dennoch über diesen dritten Platz», meinte Oulevay. «Seit 18 Jahren fahre ich nun mit meinem VW Scirocco – nun hat es endlich zu einem Platz auf dem Podium gereicht.» Verloren hat Oulevay den zweiten Gesamtrang in Ambri. «Dort habe ich zwei Mal gegen Werner Rohr den Kürzeren gezogen…»
Um noch kurz bei den Tourenwagen zu bleiben: Hinter Bralla, der im SCRATCH Fünfter wurde, sicherte sich Stephan Burri beim Saisonkehraus in Chamblon den zweiten Platz. Der Markenkollege von Oulevay fuhr im ersten Lauf mit 3:14,0 eine absolute Fabelzeit. Auf den zweiten Durchgang verzichtete der schnelle Interswiss-Pilot dann aber aus Sicherheitsgründen. «Ich hatte schon im ersten Lauf ein Problem mit den Bremsen», meinte Burri. «Ich wollte deshalb kein unnötiges Risiko eingehen.» Platz 3 bei den Tourenwagen ging an Fabrice Winiger auf seinem Porsche GT4. Dem Tourenwagen-Tagessieger in Chamblon von 2024 fehlte im Ziel eine Sekunde auf Bralla. Burris ewiger Gegner, Arnaud Donzé, konnte diesmal nicht in die Entscheidung eingreifen. «Ich hatte einen Defekt an den Bremsscheiben», meinte der Jurassier.
Der Kampf um den Tagessieg beim Finale war eine einseitige Angelegenheit. Lionel Ryter fuhr als Einziger unter drei Minuten. Seine Bestzeit von 2:53,719 min war 13,4 Sekunden schneller als die von Samuel Métroz, der sich auf seinem wendigen Formel Arcobalenco den zweiten Gesamtrang sicherte. Hätte Ryter im zweiten Lauf nicht noch einen Torfehler begangen, hätte der Vorsprung sogar 15 Sekunden betragen. Ryters Teilnahme am Finale in Chamblon hing an einem seidenen Faden. In der Woche vor dem Rennen auf dem Armeegelände oberhalb von Yverdon musste der Walliser seinen Motor komplett zerlegen. «Wir hatten beim Bergrennen in La Roche ein Problem mit dem Kolbenring», so Ryter. «Das hat ein paar Überstunden in der Werkstatt verursacht…»
Platz 3 hinter Ryter und Métroz sicherte sich Joffrey Salomon, der ältere Bruder von Bure-Sieger Ursanne Salomon, auf seinem Formel Renault 2.0. Platz 4 im SCRATCH (vor eingangs erwähntem Bralla) ging an Hervé Villoz. Der ehemalige Renault-Clio-Pilot hat sich auf diese Saison mit der Anschaffung eines Formel-3-Dallara einen Traum verwirklicht, hatte aber schon bei seinem Debüt in La Roche gesagt: «Ich habe noch viel Arbeit vor mir…»
Zu den weiteren Klassensiegern in Chamblon, gehörten: Samuel Weibel (Subaru BRZ, SuperSérie), Pierre Mürner (Porsche 992 GT3, SuperSérie Compétition), Hanspeter Thöni (Peugeot 106, PSA Transition Trophy Gr. N), Max Langenegger (Peugeot 208, PSA Transition Trophy Gr. Rally4), Stefan Hänggi (PSA Transition Trophy Gr. A), Nicolas Pasche (Renault Clio 2, N/ISN/R1), Alessandro Grispino (Renault Clio R3, A/ISA/R2 bis 2000 cm3), Jean-Marc Salomon (Ford Fiesta, A/ISA/R2 über 2000 cm3), Christian Yerly (Seat Cupra Leon, TCR), Adrian Bieri (VW Golf, E1 bis 1600 cm3), Christian Bralla (Fiat X1/9, E1 bis 2000 cm3), Kevin Métroz (BMW M3, E1 bis 3000 cm3), Fabrice Winiger (Porsche GT4, E1 über 3000 cm3), Christophe Oulevay (VW Scirocco, IS bis 1600 cm3), Stephan Burri (VW Scirocco, IS bis 2000 cm3), Christophe Martinis (Opel Ascona B, IS bis 3000 cm3), Christoph Zwahlen (Porsche 911, IS über 3000 cm3), Willy Waeber (Porsche 911 SC, Historic), Joël Jäggi (Radical SR4, E2-SC), Samuel Métroz (Formel Arcobaleno, E2-SS bis 1600 cm3), Lionel Ryter (Formel Renault, E2-SS bis 2000 cm3).
Auch im Suzuki Swiss Racing Cup fiel in Chamblon die Entscheidung. Zum ersten Mal in der Geschichte dieses Markenpokals sicherte sich ein Trio den Titel: das Flammer Racing Team mit Patrick Flammer, Reto Steiner und Sandro Fehr. Letzterer machte schon am Samstag im ersten Rennen mit einem Vorsprung von sechs Zehntelsekunden auf Michaël Béring den Sack zu. Auch im Sonntagsrennen hiess die Reihenfolge: Fehr, Béring, Rico Thomann. Diesmal betrug der Rückstand Bérings nur zwei Zehntelsekunden. Ohne Torfehler im zweiten Heat hätte der Mann aus Le Locle gewonnen.
Schnellster LOC-Pilot war in Chamblon Pierre Mürner auf seinem Porsche GT3 992.2 in 3:22,720 min – vor Roger Büeler (BMW M3) und Marius Pache (Caterham). Am Sonntag stellte Michael Pillet (Lotus Exige) die LOC-Bestzeit auf.
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