Für Lionel Ryter ist er der Favorit auf den Titel in der diesjährigen Junioren-Meisterschaft. Grund genug, Steven Chiquita vor dem ersten Slalom in Frauenfeld etwas genauer vorzustellen.
Er schaut meistens ein wenig grimmig. Vor allem dann, wenn man ihn fotografiert. Aber der finstere Eindruck täuscht. Steven Chiquita ist, wenn man sich mit ihm unterhält, ein topanständiger junger Mann mit guten Manieren und einem sehr zuvorkommenden Auftreten.
Ach ja! Und Gas geben kann er auch. Das hat er in der Schweizer Slalom- und Berg-Meisterschaft in jüngster Vergangenheit unter Beweis gestellt. Ganz überraschend kommt das nicht. Der 22-Jährige aus Orbe im Kanton Waadt ist quasi im Fahrerlager gross geworden. «Mein Vater Jean-Paul fährt seit 26 Jahren Rennen. Ich war erst ein paar Monate alt, als man mich im Kinderwagen zum ersten Mal mitgenommen hatte», erzählt Chiquita jr.
Und «Mini-Chik» hat seither kein Rennen seines Vaters verpasst. Je älter er wurde, desto mehr kam in ihm der Wunsch auf, selber zu fahren. Schon früh war klar, dass er diesem Wunsch nur mit einem bestimmten Auto nachgehen würde: einem BMW E30. Um mit 18 Jahren parat zu sein, übte Chiquita regelmässig. Schon mit sieben Jahren setzte ihn sein Vater ins Kart – «einmal pro Woche haben wir getestet», erzählt Steven. Mit 19, so erinnert sich Chiquita jr., hat ihm der beste Freund seines Vaters seinen BMW E30 angeboten. Zeit zum Überlegen brauchte Steven nicht. «Ich habe keine Sekunde gezögert – und den Wagen gekauft.»
Der erste Slalom, an dem Chiquita teilgenommen hatte, war Chamblon 2023. «Wir hatten das Auto eine Woche zuvor fertiggestellt. Ich hatte also keine Zeit, den Wagen zu testen.» Prompt blieb «Mini-Chik» im dritten Training stehen. Ein Getriebedefekt trübte die Freude beim ersten Einsatz. Viel Zeit für die Reparatur blieb nicht. Beim Finale in Les Paccots griff Chiquita jr. bei den REGionalen ins Lenkrad – und das bei einem Bergrennen, das – man mag uns den Ausdruck verzeihen – Eier braucht.
2024 griff Chiquita dann im NATionalen Championat an. Und zählte in seiner Kategorie, der E1 bis 3 Liter schon bald zu den Schnellsten. Bei den Junioren schloss er die Saison als Dritter ab. Und im Vorjahr war dann in Ambri beim Slalom mit seinem originell lackierten BMW erstmals Klassenbester. Am Ende wurde er erneut Dritter in der Junioren-Meisterschaft. Dieses Jahr möchte Chiquita nach dem Titel greifen. Irgendwann will er aber nicht nur bei den Junioren ganz vorne mitfahren. Ziel und Traum zugleich ist es, im Slalom und am Berg Top-Ergebnisse zu liefern. «Und vielleicht auch mal europäisch zu fahren.»
Um dorthin zu kommen, hängt sich der Heizungsinstallateur der Vivatec AG in jeder freien Minute voll ins Zeug. Bei der Garage RPM Racing in Villars-sur-Champvent in der Nähe von Yverdon arbeitet er mit seinem Vater nicht nur an den eigenen Autos, sondern auch an Kundenfahrzeugen und dazugehörigen Lastwagen. Hauptsache ist, dass sich im Leben von «Mini-Chik» vieles, wenn nicht gar alles um den Rennsport dreht.
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