Am kommenden Sonntag (28. Juni) findet in Reitnau der dritte Lauf zur Schweizer Berg-Meisterschaft 2026 statt. Mehr als 170 Autos stehen am Start. Glaubt man den Prognosen, könnte es, was den Tagessieg angeht, das spannendste Rennen des Jahres werden.
Zwei Mal hat er dieses Jahr schon gewonnen – in Hemberg und in La Roche. Am Sonntag peilt er den Hattrick an. Aber ganz so sicher ist sich Lokalmatador Robin Faustini nicht: «Wenn es ein Rennen gibt, bei dem der Ausgang ziemlich offen ist, dann ist es Reitnau!»
Eine Meinung, die auch andere teilen. Und die in erster Linie auf die Kürze und Charakteristik der Strecke zurückzuführen ist. Mit einer Länge von 1,57 km ist die Strecke in Reitnau 188 Meter kürzer als der Parcours in Hemberg. Und dort war es zum Saisonauftakt im Kampf um den Tagessieg schon ziemlich knapp. 1,34 Sekunden verlor Marcel Steiner in der Addition der beiden schnellsten Läufe auf Sieger Faustini. In den ersten beiden Läufen betrug der Rückstand 0,15 respektive 0,14 sec. Das sind (pro Lauf) knapp 80 Zentimeter, die Steiner auf Faustini fehlten.
Und Steiner ist ja nicht der einzige Verfolger des zweimaligen Schweizer Berg-Meisters. Mit Victor Darbellay und Michel Zemp stehen zwei weitere Fahrer in Reitnau am Start, die dem seit Les Paccots 2023 ungeschlagenen Faustini das Leben schwer machen wollen. «Wenn wir Zwei-Liter-Piloten eine grosse Chance haben, dann am Wochenende in Reitnau», meint Zemp. Ähnlich klingt es aus dem Mund von Darbellay. «Letztes Jahr war Reitnau für mich Neuland. Mit der Erfahrung von 2025 und den zusätzlichen Erkenntnissen, die ich seither gewonnen habe, sehe ich dem Rennen am kommenden Sonntag zuversichtlich entgegen.»
Platzhirsch Faustini meint dazu: «Ich habe mehr Leistung, das stimmt. Aber mein Nova ist auch schwerer als die Autos von Michel oder Victor. Vieles wird also davon abhängen, wie gut man aus den Ecken herauskommt. Da haben wir uns für Reitnau natürlich schon einen Plan zurecht gelegt. Ob dieser aber aufgeht, wissen wir erst am Sonntagnachmittag.» Selbiges gilt für Faustinis Streckenrekord vom Vorjahr (47,20 sec). Ob dieser den Angriffen am Wochenende standhalten wird, hängt auch vom Wetter ab. Je höher die Temperaturen, desto schwieriger wird es werden, die Zeiten von 2025, als es ebenfalls drückend warm war, zu toppen. Stand heute sind für Sonntag jedenfalls 34 Grad und steigendes Gewitterrisiko angesagt…
Auch bei den Tourenwagen wird es wieder spannend. Roger Schnellmann hat angekündigt, dass er in Reitnau wieder voll angasen wird, nachdem er in La Roche nach dem ersten Lauf aufgrund eines Problems mit dem Wasserdruck zusammen gepackt hatte. Gegner Nummer 1 wird aller Voraussicht wieder «Speedmaster» sein. Der Teamchef von MB Motorsport kommt mit seinem frisch erworbenen Ford Escort Cosworth immer besser in Fahrt. In Hemberg musste sich Schnellmann strecken, um ihn hinter sich zu halten.
Auch der Gesamtführende bei den Tourenwagen, Bruno Sawatzki, freut sich auf das Rennen im Aargauischen. Nicht nur wegen der Atmosphäre, der Porsche-Pilot aus dem Rheintal macht sich berechtigte Hoffnungen, auf einen neuen Klassenrekord in der Interswiss. Den hält seit dem Vorjahr Stephan Burri auf seinem VW Scirocco in 56,94 sec. «Diese Zeit ist machbar», sagt Sawatzki. «Und sie würde zwei Extrapunkte geben, was im Verlauf der Meisterschaft noch von entscheidendem Vorteil sein könnte.»
Zur Strecke: Mit 1,570 km ist Reitnau die kürzeste Strecke im Rahmen der Schweizer Berg-Meisterschaft 2026. Insgesamt müssen 111 Höhenmeter zurückgelegt werden. Die durchschnittliche Steigung beträgt 6,9 Prozent. Die Schlüsselstellen des Parcours sind die Start- und Zielkurven. Aber auch in der Schikane kann man entscheidende Zeit gewinnen oder verlieren. Die Bestmarke in Reitnau stammt von Robin Faustini – aufgestellt bei der letzten Austragung 2025 in 47,20 sec (= 119,746 km/h). Den Rekord bei den Tourenwagen hält Roger Schnellmann mit seinem Mitsubishi Lancer Evo VIII in 53,90 sec.
Reitnau ist das einzige Bergrennen im Schweizer Kalender, bei welchem nur am Sonntag gefahren wird. Der Zeitplan ist dementsprechend scharf getaktet. Los geht es ab 6.30 Uhr mit dem ersten von zwei Trainingsläufen. Ab 12.10 Uhr sind dann pro Kategorie je zwei Rennläufe geplant. Die beiden Laufzeiten werden am Ende addiert. Eine Mittagspause gibt es nicht. Dafür einen Gottesdienst von 10.30 bis 11.15 Uhr.
Mehr über das Bergrennen in Reitnau erfahren Sie unter diesem Link.
Termine Schweizer Berg-Meisterschaft 2026
6./7. Juni, Hemberg*
13./14. Juni, La Roche – La Berra*
28. Juni, Reitnau
25./26. Juli, Ayent – Anzère*
14.-16. August, St.Ursanne – Les Rangiers
29./30. August, Oberhallau*
12./13. September, Gurnigel
19./20. September, Châtel-St-Denis – Les Paccots
Anm.: Die mit Sternen versehenen Rennen zählen zur Schweizer Junior-Meisterschaft.
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