Der dritte Gesamtsieg mit Schweizer Beteiligung bei den 24 Stunden von Dubai nach 2014 und 2017 lässt auf sich warten. Dennoch gab es beim Auftakt zur interkontinentalen Langstrecken-Meisterschaft für Tourenwagen und GT-Fahrzeuge Grund zum Jubeln. Und das sogar ausgiebig. In der Tourenwagen-Klasse TCR gab es nämlich einen Schweizer Doppelsieg. Es siegte das Team Autorama aus Wetzikon im Kanton Zürich auf VW Golf GTI. Mit den Fahrern Yannick Mettler, Fabian Danz, Jérôme Ogay, Stefan Tanner und Marlon Menden. Vor der niederländischen Mannschaft von Bas Koeten Racing mit den beiden Schweizern Ronny Jost und Julien Apothéloz.
Der Erfolg für das Team Autorama ist besonders hervorzuheben, weil es der erste Einsatz in Dubai war. Zusammen mit Wolf Power Racing hat das Team um Nummer-1-Fahrer Yannick Mettler in der Nacht auf Samstag die Führung übernommen, nachdem man von Startposition 2 bei den Tourenwagen ins Rennen gegangen war. Laut Mettler war der Schlüssel zum Erfolg die Konstanz und der geringere Reifenverschleiss in der Nacht.
Beste Werbung für den Schweizer Rennsport machten auch Jost und Apothéloz auf Rang 2 – und das trotz eines defekten Stossdämpfers. Für Letzteren war es erst das zweite Autorennen überhaupt, das erste über 24 Stunden. «Die ersten Runden nachts waren schwierig», sagte der Sieger der Young Driver Challenge, «aber ich habe mich rasch daran gewöhnt und bin danach fast identische Rundenzeiten gefahren wie am Tag.»
Nicht in Erfüllung ging der Traum vom zweiten Gesamtsieg für Mark und Rolf Ineichen. Das Luzerner Duo, das 2014 ganz oben stand, startete mit dem giftgrünen Lamborghini Huracan GT3 zwar von der Pole-Position, doch ein Aufhängungsschaden machte sämtliche Siegchancen zunichte. Mit drei Runden Rückstand aufs Podium belegte man den undankbaren vierten Platz.
Auch Ricardo Feller erwischte in der Topkategorie A6-PRO kein optimales Rennen. Der junge GT-Masters-Pilot musste sich mit dem sechsten Gesamtrang begnügen. Ein defekter Kühler zwang das Audi-Team des Aargauers zu einem ungewollten Reparaturstopp.
Besser lief es für Daniel Allemann, Gesamtsieger von 2017. Er stand als Zweiter in der Kategorie A6-AM erneut auf dem Podium. Viel hatte zum Klassensieg nicht gefehlt. Im Ziel betrug der Rückstand auf den siegreichen Mercedes nur eine Runde. Im Gesamtklassement belegte der bestplatzierteste Porsche Rang 8. Apropos Porsche: Lucas Mauron war als Fünfter bester Schweizer in der Kategorie 991.
Andere Schweizer hatten weniger Glück. Das Vater-Tochter-Duo Michael Kroll und Chantal Prinz-Kroll mussten das Rennen aufgeben. Genauso wie Adrian Amstutz in einem weiteren Lamborghini Huracan und Alexandre Imperatori auf Nissan GT-R. Auch für Martin Kroll war das Rennen vorzeitig beendet. Er schied mit defekter Lenkung an seinem BMW M4 aus.
Am Wochenende steigt in Dubai die 14. Ausgabe des 24-Stunden-Rennens. Dieses Rennen bildet traditionell den Auftakt zur 24H Series, der populärsten interkontinentalen Langstrecken-Meisterschaft für Tourenwagen und GT-Fahrzeuge. Mit dabei sind auch zahlreiche Schweizer.
In der Top-Klasse A6-PRO sind die Hoffnungen auf vier Teams verteilt. Der Aargauer Audi-Pilot Ricardo Feller, der 2018 sein Langstreckendebüt gab, zählt dabei mit BWT Mücke Motorsport zum engeren Favoritenkreis. Ebenfalls dabei: Rolf und Mark Ineichen. Das Luzerner Duo startete im Vorjahr aus der Pole-Position, gewann das Rennen 2014 und setzt wie 2018 auf einen Lamborghini Huracan in derselben Besetzung. Auch Daniel Allemann weiss, wie sich ein Sieg in Dubai anfühlt. Der Solothurner Unternehmer, inzwischen stolze 60, siegte vor zwei Jahren im Emirat. Er tritt erneut für das damals siegreiche Team Herberth Motorsport in einem Porsche 911 GT3 R an. Mehr als nur Aussenseiterchancen hat auch Alexandre Imperatori. Der Romand startet für das Team KCMG aus Hong Kong auf einem Nissan GT-R.
Mit Ehemann und Vater Michael geht Chantal Prinz-Kroll auf einem Mercedes AMG GT3 ins Rennen um einen Podestplatz in der Kategorie A6-AM. Konkurrenz kriegt das Familiengespann von Adrian Amstutz, der für Attempto Racing einen Audi R8 LMS pilotiert. Bei den Porsches (Klasse 991) ruhen die Schweizer Hoffnungen auf Lucas Mauron (HRT Motorsport) und Manuel Nicolaidis (Team MRS). Ebenfalls am Start: Mathias Beche (SP2) und Martin Kroll (GT4).
Bei den Tourenwagen (TCR) besteht Autorama Motorsport by Wolf-Power Racing mit Fabian Danz, Yannick Mettler, Stefan Tanner und Jérôme Ogay fast ausschliesslich aus Schweizer Piloten. Dort trifft der frisch formierte Dubai-Neuling u.a. auf das Team Bas Koeten Racing, bei dem Ronny Jost und Julien Apothéloz, Sieger der Young Driver Challenge, ins Lenkrad greifen.
Ein nahezu reines Schweizer Team hat auch die AMAG First Centri Porsche Ticino für die Klasse SP3 aufgeboten. Das Tessiner Quartett besteht aus Michele di Bona, Valerio Presezzi, Adriano Pan und VLN-Routinier Ivan Jacoma.
Der Start zum Rennen erfolgt am Freitag, 11. Januar, um 15 Uhr Ortszeit (CH: 12 Uhr). Das Qualifying findet am Donnerstag ab 15.15 Uhr (12.15 Uhr) statt. Rennen und Abschlusstraining können auf der Homepage der 24H Series (www.24hseries.com) und der Autorama Wetzikon (www.autorama.ch) live verfolgt werden.
Das Jahr 2019 hat für die Schweizer Rennsportszene mit einer traurigen Nachricht begonnen. Der ehemalige Rennfahrer und langjährige Ferrari-Garagist Karl Foitek hat im Alter von 87 Jahren seinen Kampf gegen den Lymphknotenkrebs verloren. Er hinterlässt fünf Kinder: Carmen, Markus, Gregor, Reto und Frank.
Foiteks Leben drehte sich nahezu 70 Jahre um vier Räder. Als 20-Jähriger nimmt der gebürtige Österreicher aus Oberndorf an der Melk bei der Emil Frey AG eine Stelle als Automechaniker an. Doch Foitek will nicht nur schrauben, er hat andere Ziele: Foitek will selber Rennen fahren. 1953 bekommt er dazu seine erste Gelegenheit. Im Vorprogramm des Grand Prix Suisse auf dem Bremgartenring dreht er auf einem Jaguar XK120, den er für Kurt Klaus vorbereitet hatte, die ersten schnellen Runden. Schon bald entdeckt Foitek die Liebe zu Alfa Romeo. Als er 1957 die Emil Frey AG verlässt und an der Brauerstrasse in Zürich seine eigene Niederlassung eröffnet, fährt er bereits Bergrennen für die Marke mit dem Kleeblatt.
Foitek verkörpert den rennfahrenden Mechaniker und bereitet seine Autos stets selber vor. Als Einwanderer gilt er im Fahrerlager als suspekt. Wenn einer seine Autos kontrollieren lassen muss, dann er. Doch davon lässt sich Foitek nicht irritieren. Er schafft es, sich mit den Besten zu messen. Und nimmt nebenbei die Schweizer Staatsbürgerschaft an. Als einer von uns wird der Wahlzürcher vier Mal Schweizer Rennsport-Meister; in drei verschiedenen Kategorien. Parallel treibt er seinen Autohandel voran. Neben Alfa Romeo und Jaguar importiert er auch Lamborghini und Lotus. Mitte der Siebzigerjahre gründet er die Firma Autodino AG und konzentriert sich neben Alfa Romeo auf die Vertretung von Ferrari. Diese Verbindung hält bis heute. Die drei Söhne Reto, Gregor und Frank führen in Altendorf (SZ) eine der wohl berühmtesten Ferrari-Niederlassungen der Schweiz.
Während Foitek bei Bergrennen zu einer festen Grösse heranwächst, bleiben die Erfolge bei bedeutenden Langstreckenrennen bescheiden. Ob in Le Mans, Sebring oder am Nürburgring – oft hadert Foitek mit dem Material. Oder seine Teamkollegen lassen ihn im Stich. Den Status eines Profirennfahrers erreicht er nie. Alfa Romeo macht ihm Anfang der Siebzigerjahre werkseitig ein Angebot, den Tipo 33 zu fahren. Doch Foitek lehnt ab. Zu gefährlich, meint er damals.
Mit Sohn Gregor lässt er sich in den Achtzigerjahren nochmals auf den Rennsport ein. Das Duo schafft es bis in die Formel 1. Doch weder bei EuroBrun, noch bei Brabham oder Monteverdi, wo Foitek sr. Mitbesitzer wird, gelingt der Durchbruch. Ende 1990 ist für Karl Foitek das Abenteuer beendet. Mehrere Millionen habe es ihn gekostet, sagt er später.
Am Neujahrstag ist Karl Foitek im Kreise seiner Familie gestorben. Wir entbieten der Trauerfamilie unser tiefempfundenes Beileid.
Auto Sport Schweiz